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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 5)

nordisch ist auch der Typus des Brunnens selbst mit der achtseitigen rot- 
marmornen Brüstung und dem schrniedeeisernen Gehäuse, das eine breit- 
randige Blechhaube abschließt (Abb. I). Diese Form, die den Brunnenschacht 
durch ein dichtes Eisengel-lecht vorsorglich vor jeder Trübung und Schädigung 
zu schützen versucht, ist durch und durch nordisch; sie hat nicht nur zahlreiche 
Vorgänger in der Gotik, sondern erfreut sich durch die ganze Renaissance 
hindurch in den Alpenländern besonderer Beliebtheit und taucht auch neben 
den moderneren Typen späterer Zeiten immer wieder auf. Im Stiftshofe von 
St. Peter findet sich ein solcher späterer Abkömmling (Abb. 2); er ist einfacher 
als der in Hohensalzburg - über derbem Steinsockel ein aus Spiralgittern 
geflochtenes zylindrisches Gehäuse und das Ganze beschirmend eine gemüt- 
liche breite barocke Dachhaube - und beträchtlich jünger, ein gutes Bei- 
spiel dafür, wie zäh eingewurzelte Formen weiterleben und sich „große 
Kunst" in Volkskunst umsetzt. Als dieses trauliche Brunnengehäuse ent- 
stand, das sich in dem monumentalen Klosterhof etwas beschämt hinter 
ein paar Bäume verkriecht, war eine ganz anders geartete Kunst in Salz- 
burg maßgebend geworden; Wolf Dietrich, der Schöpfer des modernen 
Salzburg, hatte die 
italienische Kunst im 
Triumph dort einge- 
führt. 
DasSchaffendie- 
ses großzügigenBau- 
herrn ist ein Fragment 
geblieben; den Zeit- 
genossen erschien es 
vornehmlich als ein 
zielloses Zerstören, 
uns kommt es als 
ein erstaunlich weit 
ausholendes Planen 
vorfi aus dem Nie- 
derreißen und Demo- 
lieren sollte eine groß- 
artige Stadt mit wei- 
ten Plätzen und brei- 
ten Straßen entste- 
hen, ihre Hauptlinien 
' Siebe die ausgezeich- 
nete Charakteristik von Wolf 
Dietrichs Bautätigkeit bei F. 
Martin, _„Beiiräge zur Ge- 
schichte Erzbischofs Wolf 
Dietrich" in Mitteilungen der 
Gesellschaft für Salzburger 
Landgskundg, L1, 133, Abb. z. Brunnen im äußeren Hof von St. Peter
	        

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