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Full text: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 5)

standen fest, als über den stolzen Kirchenfürsten die Katastrophe herein- 
brach. Zu einer Ausfüllung dieser großen Linien mit Details ist Wolf 
Dietrich nicht mehr gekommen und so fehlen auch die Brunnen, diese feinen 
Zierden einer fertigen architektonischen Situation, in seinem Werke fast 
völlig; er hat für die prächtigsten Brunnen der Folgezeit durch seine weit- 
räumigen Plätze die stolzen Rahmen geschaffen, von seinen eigenen Anlagen 
dieser Art istnur weniges - verborgen und verbaut _ auf uns gekommen. 
In einem der inneren Höfe der Residenz 
befindet sich ein _Wandbrunnen mit 
dem Wappen Wolf Dietrichs (Abb. 3); 
eine kräftige und stolz-vornehme ar- 
chitektonische Rahmung, _Wie sie der 
Gönner Scamozzis liebte, schließt eine 
_Brunnennische ein, deren Wandun- 
gen mit Malereien und Muschelwerk 
verziert sind. Dieser dürftige Rest des 
Gartens Dietrichsruh, den sich der Erz- 
bischof bei seiner neuen Residenz an- 
gelegt hatte, war eine jener Grotten, 
die die deutsche Gartenarchitektur der 
Renaissance von Italien entlehnt hatte, 
ein Hauptstück, das in keiner Anlage 
dieser Zeit fehlt. Als Grotte ist auch 
ein' zweiter Brunnen der Residenz ge- 
staltet (Abb. 4); in einer seichten Tropf- 
steinhöhle steht ein überlebensgroßer 
Herkules und erschlägt einen wasser- 
speienden Drachen. Dieser Brunnen 
gehört wohl auch noch dem Kunst- 
kreise Wolf Dietrichs an, stammt aber 
erst aus der Zeit von dessen Nachfol- 
ger Markus Sittikus, der an der Re- 
nnn 3_ Bnnnnen in den Residenz sidenz wie anderwärts das von je- 
nem Begonnene vollendete; denn sein 
Wappentier, der Steinbock, ziert das Becken zu beiden Seiten. Jedenfalls ist 
die Skulptur jenen Figuren sehr ähnlich, mit denen Markus Sittikus seine 
Lieblingsschöpfung l-Iellbrunn zierte; in dem noch nicht genügend gekannten 
Kreis dieser Bildhauer ist der Künstler unserer Figur zu suchen. Einen 
dritten Brunnen bringt eine populäre Tradition in Zusammenhang mit Wolf 
Dietrich, dessen Gestalt in Salzburg außerordentlich volkstümlich und lebendig 
geblieben ist (Abb. 5); die Susanna beim Schloß Mirabell gilt als ein Bildnis 
der Salome Alt, die in der Geschichte des lebensfrohen Fürsten eine so 
große Rolle spielt. Der Charakter der beteiligten Personen und die Gesinnung 
der ganzen Zeit spricht dagegen, daß der Erzbischof die Dame, die ihm 

	        

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