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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 5)

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USSTELLUNG DES VEREINES HEIMISCI-IER KÜNSTLER IN 
KLOSTERNEÜBÜRG. Zum dritten Male öffnet das Stift Klosterneuburg seine 
prunkvolle marmorgeschmückte Rotunde den Künstlern, welche unter dem Motto der 
Heimat und unter dem Schutze des fürsterzbischöflichen Protektorates eine Gruppe bilden. 
Wir begegnen unter ihnen solchen, die wie Franz Rumpler als Ehrengäste zu gelten 
haben, oder wie Th. Stundl, A. Karlinsky, M. v. Poosch in großen Vereinigungen ihren 
Platz zu erringen wußten, oder wie M. Kahrer im Münchener Künstlerkreis Fuß zu fassen 
vermochten. Dann wieder bemühten sich Einheimische wie F. Horst, j. Benesch und 
andere um die bodenständige Landschaftskunst. 
Dies wäre wohl das wichtigste Arbeitsfeld für lokale Künstlergruppen, denen die 
Natur ihrer Umgebung nahesteht, die ja gerade um das altertümliche prächtige Kloster- 
neuburg so vielseitig anregend und anziehend ausgebreitet ist. 
Vorläufig sind jedoch noch die Wiener Freunde, die in der Zentrale wurzeln, die 
Stärkeren; sie haben ja auch die kunstgewerbliche Note der Ausstellung und ihr Arrange- 
ment, das moderne Empfindungen neben dem barocken Prunk zu behaupten versteht, ein- 
geführt. Daß in dem aufstrebenden Orte künstlerischer Geist Wurzel faßt, ist ungemein 
wichtig. Man braucht nur die trostlose Mehrheit der Neubauten, die recht unglücklichen 
Bauversuche im Vorstadttypus mit den weit selteneren guten neuen Arbeiten zu vergleichen, 
die trotzdem hie und da auftauchen, um die hohe Wichtigkeit lokaler Künstlergruppen zu 
erkennen. 
Wenn Orte von so prächtigem Baucharakter, mit so bedeutenden Resten alter großer 
und guter Kunst, mit alter festgefügter heimischer Bautradition, dem leeren und öden 
Spekulationsgeist ausgeliefert werden, dann wird eine Schädigung bösester Art einem 
hohen Kunstgut zugefügt. Nur der Zusammenschluß möglichst vieler, von wahrer Kunst 
Begeisteter kann hier entgegenarbeiten, wenn sie auch ihre Hilfstruppen aus der Großstadt 
rekrutieren müßten. 
Der hohe Schutz, den diese Gruppe genießt, die wachsende Kraft und Zahl ihrer Mit- 
glieder möge ein gutes Zeichen für das Interesse bilden, das höheren Zielen in Kloster- 
neuburg entgegengebracht wird. 
Die Erhaltung des Stadtbildes, die künstlerische Ausgestaltung des Ortes wäre ein 
Ziel, wie es wertvoller einer Künstlervereinigung nicht gesteckt sein kann. Wenn echte 
Liebe zur Heimat mit geläutertem Geschmack den lokalen Kunstfragen ihre Aufmerksam- 
keit zuwenden, dann kann erhoüt werden, daß doch noch das Ärgste verhütet werde, daß 
immer mehr gute Leistungen entstehen, die den bösen das Gleichgewicht zu halten, sie 
endlich zu überwinden vermögen. Die ausgestellten Entwürfe für den Umbau des Rat- 
hauses zeigen, daß diese Frage für Klosterneuburg zu den dringenden gehört. 
KLEINE NACHRICHTEN S0 
BERLINER KÜNSTCHRONIK. Balzac spricht in seinen Mode-Causerien fein- 
sehmeckerisch von der „Brise der Pariser-in", vom Duft, der aus ihren Röcken, während 
sie mit dem „Genie des Ganges" vorbeischreitet, leicht nachweht. 
Diese „Brise" scheint ein mondäner Zeichner witternd eingesogen zu haben, Xavier 
Gose. Aus den Revüen eleganten Lebens, vor allem aus jenen Heften der Gazette du bon 
ton" voll erlesenstern Geschmack der Boudoir-Bibliophilie kannten wir ihn, und jetzt sah 
man bei Friedrnann und Weber in Interieuren verteilt, seine graziösen Figurinen gerahmt 
an den Wänden, eine Wiederkehr jener Galerie „der Dame in Kunst und Mode". 
Frissons gibt dieser Spanier, dessen Wesensheimat Paris geworden. Er gibt die 
Frissons der Morgenstunden im Bois, lieber aber noch die Hirnrnernde Nachmittagsluft des 
"' Paris, Librairie des Buux Ans. Berlin, Paul Cassirex.
	        

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