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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 5)

bleibt seiner nebeligen geschlängelten Manier treu. Es gibt noch viele gute Porträtmaler 
im diesjährigen Salon, von denen man zum mindesten die Namen William Ablett, Beau- 
mont, Bunny Rupert, Carolus Duran, Dagnan-Bouveret, Gervex, Fürstin Eristoff und Marie 
Boznanska dankbar erwähnen muß. Tade Styka stellt ein gutes Porträt des öster- 
reichischen Botschaftes Grafen Szecsen aus, Baron Doblhof ein sehr gelungenes Bild des 
deutschen Gesandten Herrn von Schoen. 
Es war ein hübscher pietätvoller Gedanke, den im vorigen Jahre verstorbenen sehr 
beliebten Maler Gaston La Touche durch eine Gesamtausstellung seiner künstlerischen 
Tätigkeit zu ehren. Zwei große Säle, welche 59 Bilder enthalten, sind der Apotheose des 
betrauerten Meisters gewidmet. Es ist dies eine der anziehendsten Abteilungen der Aus- 
stellung. La Touche wird vielfach mit Boucher verglichen; diese Verwandtschaft ist mehr 
geistiger Natur, das heißt sie bezieht sich auf die Phantasie, welche beide Künstler in 
ihren Kompositionen leitete. Die Technik von La Touche lehnt sich am ehesten an jene 
der früheren Werke von Besnard an. 
Die Landschaften muß ich infolge des mangelnden Raumes etwas stiefmütterlich 
behandeln und mich mit der Aufzählung von einigen der bekanntesten Namen begnügen, 
wie Abel Truchet, Andre Chapuy, Dauchez, Duhem, Alexander Harrisson, Le Goüt-Gerard, 
Le Sidaner, Luigini, Pierre Waidmann, Raoul Ulmann und Rafaölli. 
In der Abteilung für Skulpturen vermissen wir Meister Rodin; man erfährt jedoch, 
daß er in letzter Stunde darauf verzichtete, die für den Salon bestimmte Büste des 
bekannten Politikers Georges Clemenceau auszustellen. Letzterer hätte gefunden, daß 
die Wiedergabe seiner Züge nicht schmeichelhaft genug wäre und den Künstler gebeten, 
von der Ausstellung dieses Werkes abzusehen! Man lächelt ein wenig über diese 
Geschichte. 
Albert Bartholome stellt eine Frauenligur „Femme appuyee sur une Stele" aus. Die 
Urteile hierüber sind verschieden, die Gestalt ist teilweise sehr schön, die Beine etwas 
plump. Das große Reitermonument von Froment-Meurice, welches den Marschall Soult 
darstellt, kann man als ein gutes Stück Arbeit bezeichnen, obwohl der hier verewigte 
Krieger einen gar friedlichen Eindruck macht. Von manchen wird dies als ein Vorzug 
gerühmt und vielleicht mit Recht. „Das Grab des Dichters" von Jose de Charmoy ist eine 
sinnreiche Komposition, wenn auch kein großes Kunstwerk. Gar nicht gefiel mir das 
Monument für die gefallenen Aviatiker von Louis Monard: ein toter Held, zu dessen Häupten 
ein Adler die Flügel ausbreitet, dazu ein recht steif drapiertes Leichentuch, das ganze 
lebensgroß in Bronze auf einem Marmorsockel. Jean Dampt widmet sich nun auch hie und 
da der Tierwelt, sein kleiner chinesischer Hund in gelbem gesprenkelten Marmor ist ein 
reizendes Stück. Sandoz hingegen befaßt sich diesmal mehr mit menschlichen Modellen. 
Zum erstenmal sehen wir von ihm eine große Gruppe „YHomme enchaine par PAmQur" 
(die Allegorie der Familie), und er hat diese Aufgabe glänzend gelöst. Emil Bourdelle ist 
immer interessant, so auch der Entwurf in Gips „le Centaur mourant" und eine Frauen- 
büste in Mannor, Porträt einer rumänischen Dame. Die „Baigneuse" von I-Ialou ist ein 
kleines Kunstwerk. Renee von Vranycsany gehört nun auch zu den Künstlern ersten 
Ranges, ihre Tänzerinnen, nach der berühmten Pavlova modelliert, finden allgemeine 
Anerkennung. Wir sehen von ihr gleich drei verschiedene Statuetten in Bronze und eine 
etwas größere allegorische Figur „Der sterbende Schwan". 
Von den Künstlern aus Österreich-Ungarn hätte ich hier in erster Linie Heinrich 
Kautsch erwähnen sollen. Der berühmte Bildhauer, der sich in Paris schon seit langen 
Jahren einer großen Beliebtheit erfreut, stellt auch heuer eine Serie interessanter Medaillen 
aus, darunter Porträte von Amelie Kautsch und von Herrn Hugo Finaly. Von Hugo 
Zwinz sehen wir eine Bronzebüste, Porträt des Barons Julius Morpurgo. Lona von 
Zamboni stellt ein Projekt für ein Monument aus: „Der Sieger". Es liegt viel Kraft in der 
Figur dieses beschwingten Mannes der die Eroberung der Lüfte durch den Menschen 
versinnbildlicht.
	        

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