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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 5)

werk, aber lehrreich für die Anfänge der Fayenceplastik 
zu Beginn des XVIII. Jahrhunderts, als sich die lang- 
wierige Türkennot des Ostens in den stillen Manufakturen 
des Westens spiegelt. ' 
Aus demselben Besitze brachte die Ausstellung ein 
beachtenswertes Modell, das den Eindruck macht, einem 
größeren Vorbild aus anderem Material nachempfunden 
zu sein. Es ist eine weibliche Gestalt in blauem, falten- 
reichem Gewande, die über einer Muschel auf Garben 
thront. Die lebhafte Bewegung kommt sehr gut zur Gel- 
tung. Die Figur ist unbezeichnet und rnißt 165 Millimeter 
in der Höhe, der Durchmesser der Muschel 190 Milli- 
meter. 
Daß auch die von Böttger im jahre 1708 in Dresden 
begründete Fayencefabrik neben ihren Vasen und Blumen- 
kübeln, deren Herkunft Ernst Zimmermann festgestellt 
hat? späterhin iigürliche Arbeiten ausgeführt hat, wies 
H. von Trenkwald soeben nach. "i 
Drei von ihm kürzlich für das Frankfurter Kunstge- 
werbemuseum erworbene Fayencetiguren stellen den Pan- 
talone, den Pierrot und einen Bauern dar. 
Pantalone und Pierrot entsprechen den in Böttger- 
Steinzeug ausgeführten Gestalten aus der Folge ita- 51W" müxindg 
lienischer Komödianten im Gothaer Museum so genau, F;1,'.';"j,ß","f;jj,;" 
daß für sie sogar dieselbe Form gedient haben dürfte. 
Da aber Böttger mit der Dresdner Fayenceanlage wenig Erfolg hatte, 
überdies in Meißen mit der Porzellanerzeugung vollauf beschäftigt war, über- 
ließ er erstere dem bei ihm seit 1710 beschäftigten Peter Eggebrecht, der 
mit der Herstellung von Gefäßen mehr Glück hatte und sogar die Aufmerk- 
samkeit Peters des Großen auf sich zog. Seinem Rufe folgte Eggebrecht 
1718 nach Rußland und ist erst 172: wieder in Dresden nachweisbar, wo 
indessen seine Frau die Fabrik weitergeführt hatte. Die Fayenceausformungen 
im Frankfurter Museum dürften also der Zeit nach 1721 angehören, in der 
er vom Hof beschäftigt wurde und sogar ein Privileg erhielt. 
Ob auch die dritte der Frankfurter Figuren - ein Bauer, der seinen 
rechten Arm auf einen derben Knüppel stützt, den Kopf an die Hand gelehnt 
und den Hut herausfordernd auf dem linken Ohr sitzen hat - auf ein Böttger- 
Modell zurückgeht, steht vorderhand noch dahin. 
Den engen Zusammenhang zwischen der Fayence- und Porzellan- 
erzeugung bezeugt auch an Geschirren die Wiederkehr der Masken und 
Köpfchen, die nach chinesischen Vorbildern auf den Deckelvasen Egge- 
brechts wie an Potsdamer Glaskühlern zu finden sind. Für eine Gruppe 
4' Ernst Zimmermann, Dresdner Fayencen. (Cicerone, IIL Jahrg., S. 205 H.) 
"' Hermann von Trenkwald, Dresdener Fayenceiiguren. (Cicerone, 19:4.) 

	        

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