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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 6 und 7)

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unvergängliches Zeugnis seiner Kunst. Die hohe Vollendung des Werkes 
ist bedingt durch die souveräne Beherrschung der Technik, die sich mehr 
noch als in der mühevollen Kleinarbeit des Pelzhutes und des Besatzes der 
Schaube oder in dem wunderbar gearbeiteten Händepaar in den zarten 
Schwellungen und Übergängen der Flächen in dem Antlitz offenbart. 
Die Bewunderung vor dieser technisch vollendeten und inhaltsreichen 
Meisterleistung süddeutscher Marmorplastik steigert sich aber noch, wenn 
wir der Zeit ihrer Entstehung 
nachfragen. Schon die überzeu- 
gende Lebenswahrheit setzte 
ein eindringliches Naturstudium 
voraus, das ohne eine genaue 
Kenntnis des Modells und län- 
geren Verkehr mit ihm nicht 
denkbar ist. Daß das Denkmal 
aber schon zu Lebzeiten des 
Dargestellten geschaffenwurde, 
belegen weiterhin noch die 
erst nachträglich der eigenartig 
ungleichmäßig verteilten Um- 
schrift eingefügten zeitlichen 
Todesangaben." Wir dürfen in 
Anbetracht des innerlich so 
reichen und formal so abge- 
glichenen Werkes, das jede 
fremde Hilfe ausschloß, wohl 
einige Jahre zurück rechnen, 
sodaß wir also immerhin den 
Beginn der Arbeit schon in die 
letzten zwanziger Jahre setzen 
dürfen. 
In seiner einsamen Größe 
Abb. 27. Von der Deckplatte der Orrenburg-Tumba in der und Eigenartyzumal  Rahmen 
o"'"""'g"x"'"l""p"ss"" der Straubinger Plastik, wirkt 
das Werk so unvermittelt und überraschend, daß man fast die Frage 
nach dem Meister und seiner Herkunft vergißt, und in der Tat hat man 
sie auch bis heute noch nicht gestellt, geschweige gelöst. Und doch beant- 
wortet sie sich ohne weiteres, denn der Stein des Ulrich Kastenmayr ist 
nichts anders als die reife Frucht des Meisters der Albrechtstumba. Schon in 
dem Bildnis des Propstes Pienzenauer in Berchtesgaden sehen wir die ersten 
 
' Anfangs war oEenhar nur eingemeißelt: . . . . . starb vlreich chastenmayr . . . . . dem got genedig sey. 
Man erkennt namentlich an der zerrissenen Jahrzahl, die auch weniger sorgfältig gemeißelt ist, die spätere 
Zutat. Nach den Zierligürchen vor A" und vor heyligen, die jenem am Ende der Umschrift entsprechen, nehme 
ich jedoch an, daß der gleiche Meister auch die nachträglichen Ergänzungen, und zwar unmittelbar nach dem 
Tode des Kastenmayr, noch vor Aufstellung des Werks an Ort und Stelle, gefertigt hat.
	        

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