MAK

Full text: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 6 und 7)

340 
hunderts und deckt sich im wesentlichen mit der Person und der Tätigkeit 
des Meisters Erhart. In dieser zweiten Hauptgruppe der Straubinger 
Grabplastik erscheinen alle direkten Beziehungen zu dem ursprünglichen 
Ausgangspunkt Salzburg gelöst; eine fest geschlossene Linie, die nur 
mit einer einzigen Ausnahme - dem nahen Sünching - über die Mauern 
der Stadt hinausgreift, läßt sie uns als heimische Kunst betrachten, die 
vor allem in den Steinen der Familie Zeller nicht nur den goldenen 
Boden des Steinmetzenhandwerks repräsentiert, sondern auch den Reich- 
tum, das Selbstbewußtsein und das Kunstbedürfnis eines stolzen Bürger- 
geschlechts. Kaum eine zweite Stadt Süddeutschlands kann der alten 
I-Ierzogstadt Straubing eine ähnliche monumentale Ahnengalerie an die 
Seite stellen. 
Die weitaus größere Bedeutung kommt jedoch der älteren Gruppe der 
Straubinger Bildwerke zu, die in der Hauptsache durch die Werke des 
Kastenmayr-Meisters gekennzeichnet wird. Nicht nur, daß sie das Bild eines 
der hervorragendsten Kunstzentren Süddeutschlands - Salzburgs -, das 
in den spärlichen und künstlerisch meist unzulänglichen Beispielen figür- 
licher Grabplastik in der Diözesanhauptstadt selbst kaum mehr die einstige 
Blüte der Marmorbildnerei jener Zeit vermuten läßt, in bisher ungeahnter 
Weise bereichert und vertieft, sie bildet vielmehr noch in der Geschichte 
eines der wichtigsten künstlerischen Probleme, der Darstellung des Porträts, 
ein hochbedeutsames und aufschlußreiches Kapitel, dessen Wert sich erst 
vollkommen im Vergleich mit den gleichzeitigen plastischen Schöpfungen der 
Nachbargebiete, etwa Frankens oder Schwabens, enthüllt. Die Loslösung vom 
allgemein Typischen im Porträt, der auikeimende und erstarkende Realis- 
mus. die SChaTfe sich dieser rastlose 
Prägung indivi- Wahrheitsdrang 
dueller Arten und und dieser uner- 
Gegensätze läßt bittliche Ernst des 
SiCh in der ganzen Qbjektivismus dar 
Bildnerei desNor- 
dens kaum irgend- 
wo klarer und stu- 
fenmäßiger ver- 
folgen als in der 
SalzburgerSchule 
und im bP-Svnde- reifsten dieser 
ren in dieser Salz- ,_ . _ , Werke, dem er- 
burg-Straubinger _,  k v 5  w; greifenden Bilde 
Gruppe; nirgends Abb. 52. Scheintumba des Propstes Petrus Pieuzen- desulrich Kasten- 
aber auch rang auer in der Stiftskirche zu Berchtesgaden rnayr. 
Zeit zu einer den 
Eycks so nah ver- 
wandten Vollen- 
dung und Kraft 
der Überzeugung 
durch wie in dem 
 
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.