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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 8 und 9)

Schnörkelwerk und Giebelzierat. Und bei den besten dieser Stücke - es sind die im 
Format kleinsten - mag man wohl an den Wiener Alt denken. Von Steffek, der die mehr 
patrizische als mondäne Gesellschaft der Zeit malte, sieht man ein Reiterbild aus dem 
morgendlichen Tiergarten: Exzellenz Herz auf dem „superben" Goldfuchs in langen Steg- 
hosen, - von Breeches ahnte die Charlottenburger Chaussee noch nichts. verblüffend in Elan 
und Bewegungsrhythrnus wirken 
die den Bergabhang herunterstür- 
menden Pferde von dem vergesse- 
nen Teutvvart Schmittson, ein Tu- 
mult auf- und gegeneinanderge- 
bäumterLeiber, schimmelweiß und 
braunrot unter aufgescheuchtem 
schwarzen Krähenschwarm. Mei- 
sterlich auch in der „wolligen" Ma- 
lerei und der stumpf quietistischen 
Charakteristik der gelblichen drei- 
eckig spitzigen Schädel Brendels 
Schafsköpfe über dem Krippen- 
rand. Die orientalischen Skizzen 
von Gentz, Markt in Kairo und 
Sklaventransport - ein verwisch- 
ter dunkler Schattenzug in tiefer 
Einsenkung zwischen zwei gelb 
starrenden Wüstensandwänden 
(an die Szenerie der Königsgräber 
von Theben erinnernd), geben sich 
weit lebendiger als die fleißige 
Durchpinselung der „ausgeführ- 
ten" Genrebilder. Schließlich ei- 
nige schöne Menzels, die nicht erst 
„erkannt" zu werden brauchen. Die 
Büste Wilhelms II. von Bezner, die 
vom Pariser Salon nicht aufge- 
nommen wurde und nun hier in 
dieser ruhevollen großväterlichen 
Kunstwelt residiert, interessiert 
höchstens durch die politischen 
Nebengeräusche ihrer „Affaire", 
als Leistung bleibt sie leer. 
K r i: Jahrbundertausstellung in Darmstadt. Diana auf Hirsch,Augsburg, 
Anfang des XVII. Jahrhunderts, Meister O. F. (Großherzog von 
Nicht glücklich Fiel der Saal Hessen-Darmstadt). Phot. Schröder, Berlin 
der „MonumentalmalereP aus. 
Nicht nur im kleinen, auch im „großen Raume stoßen sich die Sachen" und schlagen sich 
tot. Solche architektonisch einkomponierte Wandbilder erfüllen ihren Beruf doch nur im 
Ensemble, an der für sie bestimmten Stelle; hier bietet sich nur ein „wohlassortiertes 
Lager in allen Stilarten", das durch sein sich drängendes Neben- und Übereinander 
einen monumentalen Eindruck unmöglich macht. 
Übrigens erscheinen diese Arbeiten auch für sich betrachtet nicht gerade macht- 
voll. Cordes „Krieg" ist ungebändigtes Wirrsal. Kuithans Lunette der drei Frauen 
zeigt sich als ein glatter Rodler-Abzug. Das Triptychon von Egger-Lienz: Säer, Scholle, 
Mäher in braunen lehmigen Erdkloßformen dünkt einfach in Armut, aber nicht in 
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