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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 10)

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Malaiisch-polynesischer Herkunft ist die Einteilung des Sarunghauptes 
in Dreiecke sowie das auf die Spitze gestellte Quadrat der Kopftücher. 
Melanesisch ist sogar das Parang-Muster, das noch auf Bambubüchsen der 
Papua Neu-Guineas in einfacher Form zu finden ist. Die schrägen Linien, 
in paralleler Richtung verlaufend, sind wieder malaiisch-polynesischen Ur- 
sprunges. Das Paradiesvogelmotiv deutet ebenfalls auf Verbindung mit dem 
östlichen Archipel. 
Alle diese fremden Elemente sind jedoch im Laufe der Zeit ein National- 
eigentum geworden. Das melanesische Parang-Muster im besonderen steht 
an de'n javanischen Fürstenhöfen in hoher Ehre und kommt in vielen Varia- 
tionen vor. Aber was in neuerer Zeit unter chinesischem und europäischem 
Einfiuß entstanden ist, fällt deutlich 
heraus, man kann es sofort als Ent- 
artung gegenüber der alten Kunst 
erkennen. Die Ruhe fehlt, die frem- 
den Motive sind ohne Liebe und Ver- 
ständnisnebeneinandergefügt, die Ge- 
samtwirkung ist verloren gegangen. 
Deshalb kommt die Erkenntnis 
dieser charakteristischen Kunst zur 
rechten Zeit. 
Früher war das Batiken eine 
ausgesprochen aristokratische Be- 
schäftigung; den Frauen aus dem 
Volke fehlte die Zeit für diese zeit- 
raubende Arbeit. Und so hatte sich 
Gebatikres Seidernuch aus Turkestan (Museum für in früherer Zeit die Sitte ausgebildet, 
Völkerkunde in Berlin, ums, 3x23 b) daß gebatikte Kleider m11" Von der 
vornehmen Klasse gemacht und ge- 
tragen werden durften. Es gab sogar eine ganze Reihe von Mustern, die dem 
Fürsten und seiner engen Familie vorbehalten waren und also in gewissem 
Sinne heraldischen Mustern gleichgestellt werden können. 
In unserer nivellierenden Zeit ist da manches verloren gegangen. Die 
Macht der Fürsten und Adeligen ist verschwunden; in den tonangebenden 
Kreisen hat mancher mit europäischer Verachtung auf solche Zeitver- 
schwendung hinabgesehen und vergessen, daß es sich hier um Kunst im 
besten Sinne handle. 
Frauen und Mädchen, die das Batiken verstanden, vermieteten sich auch 
auf Taglohn bei europäischen Damen, um ihre Morgenkleider zu batiken, und 
holländische Frauen mit Geschäftssinn richteten Batikateliers ein, wo die 
europäische Auffassung „besser" zur Geltung kam. 
Zum Schlusse kamen die verschlagenen Chinesen und gründeten Batik- 
werkstätten in großem Maßstabe. Sie zahlten den Mädchen einen kleinen 
Vorschuß und beköstigten die Arbeiterinnen auf ihre Kosten. Dank diesem 

	        

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