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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 10)

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aufgetragen wird. In der Sonne wird sie 
dann soweit zum Schmelzen gebracht, daß 
sie bis an die Rückseite durchdringt. Auch 
beim Rotfärben wird die einmalige Wachs- 
bedeckung angewandt, um die weißen Par- 
tien vor Farbannahme zu schützen. 
jedoch wird das Wachs bei größeren 
Flecken mit einem Pinsel aufgetragen, bei 
Linien mit einem Stifte. Dieser besteht aus 
einem eisernen Stift, mit Haaren bis zur 
Dicke einer kleinen Nuß umwickelt. Man 
tränkte das Haarbüschel mit Wachs und 
zeichnete mit dem ausfließenden Wachs. 
Die eigentliche Verzierung wurde aber 
durch Malen mit Pflanzenfarben und Beizen 
hervorgerufen; das Wachs spielt dabei eine 
sehr untergeordnete Rolle, und die Tücher 
sind auch nur auf einer Seite verziert. 
Ein stärkeres Hervortreten der Wachs- 
Verzierung fand ich an Beispielen im Im- 
perial Institute in London. In einer Kol- 
lektion aus Tinnevelley, ebenfalls in Vorder- 
indien, sind Stoffe zu finden, wo mit dem 
schon genannten Wachsstift ein Ornament 
in doppelten Umrißlinien vorgezeichnet ist, 
das später mit verschiedenen Farben aus- 
gemalt wird. 
Bald darauf fand ich in der ethnogra- 
phischen Sammlung des k. k. Naturhistori- 
schen Hofmuseums in Wien ein merk- 
würdiges Tuch aus Bochara (Turkestan) 
unter Nr. 37702. Der baumwollene Stoff 
ist blau auf weiß gemustert, und zwar ist 
das weiße Ornament beim Indigofärben 
durch eine Wachsschicht ausgespart. An 
der gleichmäßigen Breite der Linien ist 
deutlich zu sehen, daß kein Stift, sondern 
ein Werkzeug gebraucht worden ist, das 
dem javanischen Tjanting ähneln muß. Der 
Stoff ist wie auf Java an beiden Seiten ge- 
japanische Batikarbeit aus dem kaiserlichen 
Schatzhause Shosoin (Aus Münsterberg. 
"Chinesische Kunstgeschichte", Band I, EB- 
lingen, Paul Neff [Max Schreiberh 
mustert. Wiewohl in der Literatur über Turkestan das Batiken nirgends 
erwähnt wird, teilte mir damals I-Ierr Regierungsrat Franz Heger mit, daß 
er oft im Turkestan solche Tücher gesehen habe. Und dieses häufige Vor- 
kommen bestätigte sich bald durch neue Funde im Berliner Museum für
	        

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