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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 3)

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stellung ist aber nicht eine Special-Ausstellung des Museums selber, wie 
solche jedes Jahr durch die Direction und die Beamten gemacht worden 
sind, sondern ist Sache eines Comitäs, welchem Se. Excell. Graf Edm. 
Zichy als Präsident, und Se. Durchl. Fürst Franz Liechtenstein als Vice- 
Präsident verstehen. Die Ausstellung soll Gegenstände der Kunst oder 
sonst werthvolle Obiecte umfassen, welche entweder der Kaiserin selbst 
oder Personen ihrer Umgebung angehörten oder wenigstens aus ihrem 
Zeitalter stammen. Da die Ausstellung einem humanitären Zwecke (für 
die Polyklinik) zu dienen hat, so wird ein besonderes Entree für jene 
Säle erhoben werden, in welchen sie stattfindet Der gewöhnliche freie 
Besuch der Sammlungen des Museums sowie der Bibliothek bleibt dadurch 
unbehindert. 
Bewachung des Museums. Das k. k. Reichs-Kriegsministerium 
hat voin i. Februar an die ständige Beistellung einer Mililärwache in 
der Stärke von sechs Infanteristen behufs Bestreitung von zwei Nacht- 
posten zur äußeren Bewachung des Oesterr. Museums bewilligt. 
Besuch des Museums. Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
Februar von 7042, die Bibliothek von 256;, die Vorlesungen von 467 Per- 
sonen besucht. 
Neu ausgestellt. lm Saale Vl wurde Sonntag den 29. Januar eine Ausstellung 
der Fachschule fur Glasindustrie in Steinschönau, bestehend aus Leichnungen, Mo- 
dellen und fertigen Glasgegenstanden, sowohl farbigen wie gravirten, eröffnet. Mittwoch 
den zz. Februar wurde auf die Dauer von 14 Tagen im Saale lX eine Ausstellung von 
Skizzen, Zeichnungen und Studien des verstorbenen Thier- und Landschaftsmzlcrs Pi- 
schinger erdlfnet. Diese Ausstellung, gegen 70b Blatter umfassend, ist durch den Kunst- 
handler J. C. Wawra besorgt worden. 
Vorlesungen. Am x. December v J. sprach Architekt Prof. Auer aber -Das 
Wohnhaus unter dem Einflusse des Klima's - Jene großen raumgestaltenden Principien, 
die im Mo-iumentalbau ein Fortschreiten nach immer größerer und lreiercr Raumhildung 
unter gleichzeitiger Einfuhrung moglichst elementarer sicherer Deckenconstruction an- 
streben, kommen im Wo hnhausbau nicht zur Geltung, da die Anforderung des Wohnens 
an die Raume, an ihre Grolre und Vertheilung und die Materialien, mit welchen die 
Häuser gebaut werden, seit Jahrtausenden immer dieselben sind. Dagegen machen sich 
hier in viel entschiedenerer Weise die großen klimatischen Differenzen geltend, welche 
auf der Erdoberllache bestehen. Wahrend in den südlicheren Landern Warme und Licht 
vom Inneren des Hauses mogliclist fern gehalten wird, sucht man, je naher dem Norden, 
das Licht durch große Oelinungen in's Innere des Hauses zu führen, wahrend man sich 
andererseits gegen die außer: Kalte abzuschließen sucht. 
Unter den Eindrücken dieser elementaren Machte wird nun das Charakteristische 
einzelner Wohngebäude verschiedener Lander dargelegt - von den Ufern des Nil bis zu 
den nördlichen Wendekreisen. In Aegyptcn schützen iene großen vollständig ge- 
deckten Saulenhofe - die nach oben geschlossenen Hauptraume der Hauser, die 
Mandarah - die Bewohner vor der Gluth der sonne, und die vergitterten Fenster lassen 
den Luftzug, aber nicht die Hitze ein. Unter dem milden Klima der Lander nördlich 
des Mittelmeeres - wo die häufigeren Regen ein schräges Dach über der eigentlichen 
Decke des Raumes und vorspringende Gesimse als Abschluss der Mauern ertordern - 
kennen die Menschen den großten Theil des Jahres im Freien zubringen und es bil- 
deten sich dort die offenen Vorhallen, die sich den Fronten entlang und um die 
Hofe ziehen, die olfenen Atrien bildend. An Stelle der oEenen Saulenhofe erscheint in 
der Lombardei die große, das ganze Haus durchdringende Halle, die monumental 
erweiterte deutsche Flur oder Diele. Beim Ueberschreiten der Alpen treten uns die 
Holzhäuser entgegen, die allerdings nicht dem nordlichen Klima allein eigen sind, aber 
durch ihre Beschaffenheit, ihre große specifische Warme und Lichtfulle des lnneren, 
welche die aneinander geruckten Fenster mit sich bringen, für unsere Gegenden sich be- 
sonders eignen. Das flache Dach der Alpenhtttteii, das dem Gesetze des nach Norden 
immer hoher werdenden Daches widerspricht, ist der Gewalt der Stürme zuzuschreiben, 
denen jene Rache Form besser widersteht. 
ln unserem mitteleuropäischen Hause sind die Gegensatz: ausgeglichen,- Wand- 
lllchen und Fensteroifnungen in ruhigem Gleichgewichte und die Stilformen von Nord 
und Süd gleich verwendbar. Es wird der Vergleich zwischen den Temperaturverhllt- 

	        

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