MAK

Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 10)

Aufnahmen bringt. Die Kunstforschung wird dadurch um mancherlei verläßliche Daten 
und Vorarbeiten bereichert, die ihr in anpruchsloser, gründlicher und darum in brauch- 
barer Form geboten werden. Es liegt oBenbar auch nur die Absicht vor, Bausteine und 
Arbeitsmaterialien bereit zu stellen, die sich einem fleißigen und arbeitsfreudigen Forscher 
in der Geschichte der Baukunst boten, als er an Ort und Stelle und in handschriftlichen 
Aufzeichnungen" der Ordensmitglieder Studien anstellen konnte. 
EINRICH NATTER." „Leben und Schaffen eines Künstlers" steht auf dem 
Titelblatte der stattlichen Monographie, welche die Witwe des Künstlers - Ottilie 
Natter - ihrem Manne gewidmet hat. Es ist ein würdiges Denkmal, das dem Menschen 
Heinrich Natter ebenso wie dem Künstler gilt. Und die innige, gemütvolle Art, mit der die 
forrngewandte Feder der Lebensgefährtin das menschliche Schicksal dieses kernhaften 
Tirolers aufrollt, geht jedem unbefangenen Leser nahe. ' 
Einige der bekanntesten Denkmäler des Künstlers gehören seinem Vaterland. Andreas 
Hofer, Walter von der Vogelweide, Josef l-Iaydn. Und von diesen wieder ist vielleicht das 
letztgenannte vor der Mariahilfer Kirche so wirkungsvoll aufgestellte dasjenige, das am 
meisten Popularität genießt. Zahlreiche Porträtbüsten und mehrere Porträtfrguren an den 
Wiener Monumentalbauten ergänzen das Werk des Künstlers während seines Wirkens in 
Wien, wo er im Kreise gleichgesinnter, warmfühlender Menschen von geistiger Bedeutung 
ein fast zurückgezogenes Leben führte, das dem lauten Hervortreten in der Öffentlichkeit 
abhold blieb, den Parteien und Cliquen fern stand. 
Wir erfahren, wie der arme Knabe die Heimat verläßt, sich durch das feindliche Leben 
kämpft, langsam in Bayern Boden fallt; wie er nur seiner Kunst lebt und immer wieder an 
Stärkeren, an Großen Anschluß sucht. Dieses Leben voll Streben und Kampf mit seinen 
vielen intimen Zügen von Menschlichkeit, mit den mannigfaltigen Personen aus niederen 
und hohen Kreisen, zu denen er in Beziehung trat, wird von liebevoller Hand aufgezeigt 
und eingehend geschildert. 
Für den Künstler, der in seiner Zeit wurzelte, sind die Werke bestimmend. Für den 
Menschen und sein Schicksal aber ist dieses Buch ein Dokument. Es bereichert unseren 
Schatz von „Lebensläufen" tüchtiger und ernster Persönlichkeiten von geradem, aufrechtem 
Charakter. 
Darum wird es auch vielen wertvoll werden, die einen Weg zur Kunst suchen, die 
Mut zum Lebenskampf aus den wechselvollen Schicksalen eines ernst Strebenden heraus- 
zulesen vermögen, der unbeirrt und ohne Anwendung unlauterer Mittel seine ganze Kraft der 
künstlerischen Arbeit widmet. H. F. 
I) IE QUELLEN DES KÜNSTLERISCI-IEN SCHAFFENS VON 
ERICH MAJOR." „Versuch einer neuen Ästhetik" nennt der Verfasser dieses 
anregende Buch. Es ist eine Sammlung von Studien über das Wesen der künstlerischen 
Produktivität in klarer faßlicher Sprache dargestellt, die ebenso den wissenschaftlichen wie 
den literarischen Schwulst zu vermeiden weil}. Der Verfasser behandelt den Gegenstand wie 
jemand, der selbst Liebe und Verständnis für das Kunstwerk besitzt und nicht bloß für die 
Frage, wie oder warum es entsteht. Kaum irgendein Gebiet menschlichen SchaEens verträgt 
so wenig die kalte, rein analytische Methode der Prüfung wie die Kunst, und darum befriedigt 
es sehr, dem Autor darin zu folgen, wenn er sagt: „Wahre Schönheit, Kunstschönheit 
höheren Wertes können die Kunstwerke nur durch ein Element annehmen. Dieses Element 
ist Sehnsucht in erotischem Sinn" (als Gegensatz zur Sexualität gemeint). Diese Sehnsucht 
nach Schönheit, die im Leben keine Erfüllung lindet, ist ihm die treibende Kraft zur Kunst. 
Er befindet sich darin in Übereinstimmung mit den meisten Künstlern, die über ihr eigenes 
Schaifen geschrieben haben. Mit diesem Schlüssel der Sehnsucht und der Liebe in höherem 
' Verlag für Fachliteratur, Wien. 
"K Verlag Klinkhardt ä Bierrnann, Leipzig.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.