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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

Die originellen Wege dieser Schmucksprache erkennt man auch an einer andern 
Vitrine, in der die inneren Fachbretter in weicher kurviger Ausbuchtung geführt und mit 
einer reichen Aussäge- und Durchbruchmusterung ausgestattet sind. 
Solch verschlungenes, verflochtenes l-Iolzgitterwerk liebt PfeiiTer überhaupt. Einmal 
setzt er es in Rundbogenform als Aufsatz auf einen quadratischen Wandspiegel. 
Orientalisch, an Moucharabie erinnernd, wirkt das, und man denkt, dies Gerät 
könnte von einem alten deutschen Meister sein, der auf Kreuzzugsfahrt im heiligen 
Lande war. 
An Lettres Schalen, Büchsen, Kannen und seinem edelgefügten Schmuck von Ketten, 
Ring und Spange verehrt man wieder den frommen Materialsinn und die treue Hand, die 
so sorgsam aus jedem Stoff seinen letzten Wesensreiz durch bedachtsame Arbeit 
herausholt. 
Aufgaben großen Stils sieht man: den wuchtigen getriebenen Silberkübel mit den 
machtvoll aus der Leibung - sie gleicht einem Bollwerkturm -herauswachsenden 
l-lenkeln, ein Geschenk des Kaisers an die Luftschiffer. 
Ferner die stolzen Prunkpokale, Nachkommen der alten Zunft-Willkumms, von denen 
Schemel relmte: „Ihr Mannen macht das Armbein krumm, 
Der große Willkum geht herum, 
Der Willekum." 
lm Auftrag des Hauses Krupp als Widmung an verdiente Mitarbeiter sind sie 
geschaffen worden. Auf einem liest man die Dedikalzion an Eberhard Freiherrn von Boden- 
hausen. Und der Zusammenklang der Namen Krupp und Bodenhausen hat gerade in dieser 
Zeit etwas Nachdenkliches. Der Freiherr von Bodenhausen gehörte nämlich in den neun- 
ziger Jahren, ehe er als Direktor dort wirkte „wo die Kanonen stehen", zu jenem Kultur- 
kreise, der die neue angewandte Kunst in Deutschland Fördern half. Mit l-Iartleben, dem 
Grafen Harry Keßler, Meier-Gräfe begründete er den „Pan". Vorläufer waren sie für das, 
was A. W. von l-leymel, der nun zu unserer Trauer Abgeschiedene, mit der „Insel" 
vollendete. 
In der Begriffsverbindung Krupp-Bodenhausen treffen sich so zwei Welten. Als 
gemeinsames Vaterland umfaßt sie aber beide Deutschland. Davon scheinen die Wider- 
sacher mit den einseitigen Schlagworten: „Militarismus" und „Potsdam" nichts zu ahnen. 
F. P. 
ZU DEN WANDBEHÄNGEN MIT DARSTELLUNGEN AUS DER 
APOSTELGESCHICI-ITE NACH RAFFAELS ENTWÜRFEN. 
E. Kumsch beginnt seine Studie über „Die Apostelgeschichte - eine Folge von Wand- 
teppichen nach Entwürfen von Raffael Santi"" mit folgenden Worten: „Als die berühmtesten 
und daher auch weltbekannten Wandteppiche sind diejenigen zu bezeichnen, die nach den 
Entwürfen Raffaels im Auftrage des Papstes Leo X. für die Capella Sistina im Vatikan 
zu Rom angefertigt wurden." Trotzdem Kenner, wie Darcel über die Mängel der aus 
Raffaels Schule hervorgegangenen Entwürfe schon lange nicht mehr im Zweifel waren," 
oder wie George Leland Hunter sogar meinten, „die Raffaelischen Kartons haben der 
Kunst des Teppichwebens mehr geschadet als alle andern Ursachen zusammen", "k" so ist 
es mit dem Weltruhme wohl richtig, wenn wir diese Tatsache auch mit andern Worten 
ausgedrückt hätten, als Kumsch es tut. (Natürlich betreffen die gemeinten Mängel nicht 
die bewunderungswürdige Kunst Raffaels, sondern seine und seiner Schüler Unerfahrenheit 
auf einem besonderen kunstgewerblichen Gebiete.) 
"k Kunstanstalt von Stengel ä Co., Dresden, 1gx4. 
4"" Guichard und Darcel, „Les Tapisseries decoratives du Garde-Meubles. Paris, o. J. zu Nr. 24. 
"i" „Tapestriesü New York xgxz, S. 82: „The Raphael Cartoons did more harm to the An of Tapestry- 
weaving than all other influences combined."
	        

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