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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

Wie die Verhältnisse aber auch liegen, jedenfalls kann das Verfolgen einer Erscheinung 
in ihren, Jahrhunderte umspannenden, Nachwirkungen anregend wirken. 
Kumsch versucht eine klare Trennung der ausgeführten Tapisseriearbeiten nach 
den verschiedenen unmittelbaren Vorlagen. So behandelt er nach einem kurzen Überblick 
über die raffaelischen Kartons selbst die verschiedenen von Peter von Aelst und andern 
Meistem in Brüssel hergestelltenwebereien, die sich noch unmittelbar an die ursprünglichen 
Kartons anschließen, und sodann diejenigen, die nach 1623 in England (zu Mortlake) nach 
den inzwischen dorthin gelangten (sechs) Originalkartons ausgeführt sind. 
Es werden dann die Stücke zusammengestellt, die nach dem Jahre 1620 auf Grund 
von „Kanons niederländischer Herkunf " hergestellt sind, worauf solche nach „Kartons 
unbekannter Herkunft, vor 1662" und weitere nach „Kartons italienischer Herkunft, etwa 
1666" folgen. 
Doch scheint es, daß Kumsch bei der letzten Gruppe nur an die Vorlagen eines unter 
italienischen Einiluß geratenen Niederländers denkt. Wir bemerken hierbei, daß sich eine 
Darstellung der Predigt des Paulus, die im ganzen der Tafel 38 bei Kumsch entspricht, im 
k. k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie befindet. Nur ist bei diesem Stücke 
oben in der Mitte des Randes eine ovale Kartusche mit der Darstellung des heiligen Geistes 
vorhanden, wodurch die gleichmäßige Wiederholung der Knäbchen und Gehänge in 
angenehmer Weise unterbrochen wird. Auch trägt dieses Stück im Rande links unten das 
Brüsseler Zeichen" und am rechten Rande unten eine Verfertigermarke (M mit einem 
Querbalken zwischen den senkrechten, so daß wohl eine Verbindung von I-I und M 
anzunehmen ist). 
Kumsch führt dann Arbeiten an, die nach dem Jahre 1666 in Paris und an andern 
Orten nach Kopien, die französische Akademiker in Rom hergestellt hatten, angefertigt 
wurden. 
Endlich folgt" ein Abschnitt über die Arbeiten „nach den Kartons von Daniel Leyniers" 
in Brüssel. Es handelt sich hier um Stücke bei Herrn Krupp von Bohlen und l-Ialbach, 
auf denen sich außer der Brüsseler Marke auch die Bezeichnung „Daniel Leyniers" vor- 
findet, und zwar nicht im Rande, sondern in der Darstellung selbst. Da nun nach einer 
Verfügung des Jahres 1528 die Brüsseler Marke und die Signatur des Fabrikanten im Rande 
anzubringen wären, nimmt Kumsch an, daß der Name hier nicht der des Verfertigers, 
sondern der des Kartonzeichners wäre. In der Tat gab es in Brüssel einen berühmten 
Kartonzeichner dieses Namens, der 1618 geboren wurde und 1688 starb. Nun tragen diese 
einzig angeführten und wohl auch einzig erhaltenen Exemplare im Rande aber das öster- 
reichische Wappen und die Initialen Maria Theresias, so daß jedenfalls kein Zweifel 
bestehen kann, daß wenigstens die Ausführung nicht von dem genannten Daniel Leyniers, 
sondern nur von dem gleichnamigen und sicher für Maria Theresia tätigen Fabrikanten 
herrühren könne, der übrigens im Jahre 1768 zu arbeiten aufhörtefi" Kumsch schreibt 
darum den Karton dem so viel früheren Namensvetter zu. Hierbei, wie an andern Punkten, 
sind uns allerdings einige Zweifel geblieben - vielleicht mit Unrecht; denn bei all unseren 
Äußerungen müssen wir wiederholen: wenn wir den Text richtig verstanden haben, und 
vor allem: soweit wir nach den Abbildungen urteilen können. Und damit kommen wir zu 
einem wirklich wunden Punkte. Die Abbildungen sind nämlich größtenteils so klein und 
mangelhaft, daß es kaum möglich ist, sich ein klares Urteil zu bilden, was doch nur 
beim Zusammenhalten von Wort und Bild möglich ist. Insbesondere kann man auch die 
Bordüren, die dem größten Wechsel unterlagen und von hohem Interesse w'a'ren, kaum 
halbwegs erkennen. Einzelne Fehler und Irrtümer sind ja in jeder Arbeit unvermeidlich; 
Arbeiten wie die vorliegende haben aber hauptsächlich dann Wert, wenn das zusammen- 
!" Zwischen den zwei B ein geschweiftes Wappen. 
"f" Die Unterschrift unter den betreffenden Abbildungen (Tafel 46 H.) lautet etwas befremdlich: „Wand- 
teppich nach Karton von Jan Leyniers, Brüssel, um 1650. Brüssel, auch ein Jan Leyniers, um x75o. Villa Hügel 
(Ruhr), Krupp von Bohlen und Halbach (Folge 56)."
	        

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