MAK

Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

Wie sehr unser Urteil über die architektonischen Schöpfungen jener 
Zeit allmählich umgebildet und vertieft worden ist, beweist wohl auch die 
Schätzung, die man neuerlich dem Gebäude der Technischen Hochschule 
von Schemerl von Leytenbach wieder zuwendete, allerdings in jener 
Fassung, die es bis vor kurzem hatte, ehe die Fassade durch die Auf- 
setzung eines neuen Stockwerkes aus ihrer ursprünglichen Rhythmik 
gebracht worden ist. Eine ernste, gute Raumlösung zeigt vor allem der 
edel gegliederte Festsaal mit dem gemalten Fries nach dem Entwurf von 
Klieber, mit einer Darstellung der mathematisch-technischen Wissenschaften, 
in welcher merkwürdigerweise ein Fehler beim Pythagoräischen Lehrsatz 
unterlaufen ist. 
Auch die alte Universitätsbibliothek (1826) wirkt mit ihrer knappen 
Fassadengliederung gegenüber dem modernen Kastenstil in Eisenbeton als 
eine fast mustergültige Leistung der vielberufenen Franziszeischen Epoche. 
Die schlichte Sachlichkeit aller dieser Baulichkeiten war wohl überlegt, 
fern von Dürftigkeit zeigt 
sie keineswegs absolute Ab- 
kehr von Schmuck, sie 
betont das Konstruktive 
scharf und ist allem fal- 
schen Schein abhold. 
Angesichts solcher 
Leistungen ist es uns heute 
unverständlich, wie Karl 
vonLützownochvorlöjah- 
ren in unserem Kongreß- 
werk die Architektur jener 
Tage charakterlos nennen 
konnte. Gewiß hat auch 
diese Epoche so manches 
eigenmächtig zerstört oder 
verändert und nichts Besse- 
res an die Stelle gesetzt, 
wie I-Iofbaumeister Amann 
die uns aus alten Stichen 
bekannte herrliche Barock- 
fassade des Schönbrunner 
Schlosses in einen nüch- 
ternen Klassizismus umge- 
wandelt hat; aber auch er 
war sonst ein tüchtiger 
Mann, wie seine Fassade 
des 1802 in Pest errichteten 
deutschenTheaters beweist. Grabdenkmal im Währinger Friedhof in Wien
	        

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