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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

 
bringen. Nur drei zusammengehörige Flakons 
möchte ich erwähnen, die jetzt noch zu rätsel- 
haft sind, als daß man schon eine sichere Be- 
stimmung wagen könnte. Da müssen noch 
weitere Stücke derselben Serie hinzutreten, die 
vielleicht signiert sind oder sonst Merkmale an 
sich tragen, welche eine Lokalisierung ermög- 
lichen. Es sind zwei männliche Figuren aus 
der italienischen Komödie, im Gewand und 
den Formstücken teilweise übereinstimmend, 
mit langer Hose, Jacke, Lappenkragen und 
hoher spitzer Mütze, von denen der eine dem 
Typus des Pierrot entspricht (Abb. 70), wäh- 
rend der andere als Harlekin bemalt ist, mit . 
ziegelrotem Rautenmuster und silberner Feder Abb. 72. Figuraler 
auf dem I-Iute (Abb. 71). Dazu kommt noch eine  
Figuärhlzkon sitzende Frau mit einer Art von chinesischer 
H„Mdn(W„n_,)' Mütze und einem Fiasco in der linken Hand, ein Doppelflakon. 
Zwischen ihren Füßen wird ein Delphin sichtbar (Abb. 72). Die 
Art der Modellierung ist bei diesen drei Figuren dieselbe, derb,breit und etwas 
ungeschickt mit dem Holz bossiert. Knitterige plumpe Falten gliedern die 
Kleider, die Nasen sind breit und aufgestellt, derMund ist gespitzt und etwas 
vorgeschoben. Übereinstimmend ist auch die trockene, glanzlose Bemalung 
auf dem gelblichgrauen Grund des Porzellans. An eine englische Manufaktur 
ist nicht zu denken, von den kontinentalen, enger gefaßt, den deutschen 
Porzellanfabriken, kommen eigentlich nur zwei in Betracht, wo man 
ähnliche Gesichtstypen in den früheren Perioden ihrer künstlerischen Tätig- 
keit beobachten kann, und zwar Ansbach, noch mehr aber Wien. Da nun 
die drei Figürchen noch einen recht primitiven Eindruck machen und die 
Begründung der Ansbacher Fabrik erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahr- 
hunderts erfolgte, glaube ich, daß diejenige zu Wien viel mehr Berechtigung 
hat, als der mutmaßliche Entstehungsort angesprochen zu werden, um so 
mehr, als die wenigen uns bekannten Figuralen Wiener Porzellane aus der 
Du Paquier-Periode unleugbare Analogien zu denselben bieten. Man ver- 
gleiche deshalb diese Flakons mit drei figuralen Wiener Arbeiten, welche 
in dem von Josef Folnesics und mir herausgegebenen Werke über die „Alt- 
Wiener Porzellanmanufaktur" abgebildet sind, nämlich mit der weiblichen 
Henkeliigur (Tafel VI, 5) und den zwei weiblichen Komödiengestalten des 
Museums Civico in Turin (abgebildet Seite 37) und der Sammlung Rothberger 
(abgebildet Seite 38); dabei Enden wir die kleinlichen, mit dem Modelholz 
derb und tief eingegrabenen parallelen Falten der Gewandung wieder, und 
auch die Behandlung von Mund, Nase und Hand wirkt verwandt. Immerhin 
aber genügen diese Momente noch nicht, um die drei Figurenüakons der 
Sammlung Speyer mit aller Sicherheit für Wiener Arbeiten zu erklären. 

	        

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