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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

in Nürnberg sitzend, urkundlich beglaubigt, so daß schon deshalb an seine 
Mitarbeit gar nicht gedacht werden kann. Welches aber „die tüchtigsten 
Kräfte der eben damals brach liegenden und verfemten Werkstätte des 
Veit Stoß sein sollen, die die damals in voller Blüte stehende Werkstätte 
des Würzburgers an sich gezogen haben", läßt Ubell dahingestellt. All 
diesen grund- und haltlosen Vermutungen und Hypothesen steht nun das 
unumstößliche Faktum gegenüber, daß in Franken, ganz zu schweigen von 
außerfränkischen Gebieten, auch nicht ein einziges Werk einen derartigen 
Zusammentluß der beiden Richtungen aufweist. Ja man darf wohl behaupten, 
daß die künstlerischen Anschauungen und Tendenzen der beiden Bildhauer 
ein Zusammenwirken geradezu ausschließen. Riemenschneider und Stoß 
stehen sich, dieser der stürmische Dramatiker, jener der beschauliche Lyriker, 
als die denkbar größten und nirgends sich berührenden Pole ihres Gebietes 
gegenüber und in gleicher Weise trennen sich auch die Sphären ihres Werk- 
statt- und Schulbereichs. Der Stil beider Meister ist ein so persönlich aus- 
geprägter, daß ein Werk, bei dem man meint, an beide denken zu dürfen, 
sicherlich von keinem der beiden herrührt. Meines Wissens hat sich denn 
auch die kunstgeschichtliche Fachwelt gegenüber den Zuweisungen Ubells 
an Riemenschneider und jener Lübbeckes und Heeges an Stoß durchaus 
ignorierend - und das dürfte doch soviel wie ablehnend heißen - verhalten. 
Georg Lill, vor allem vertraut mit fränkischer Kunst, resümiert: „Dem 
Kefermarkter Altar fehlt sowohl die sensible Nervosität Riemenschneiders 
wie die dramatische Wucht Veit Stoß'. Keiner von den beiden kann ihn 
geschaffen haben. Auch die sehr vage Hypothese von Herübernahme von 
Werkstattkräften Veit Stoff in Riemenschneiders Dienste ist ganz hinfällig, 
da wir genügend viele datierte Werke des letzteren aus den verschiedensten 
Zeiten haben, um zu wissen, daß dies niemals der Fall war, ebenso daß 
Riemenschneider eine ganz bestimmte folgerichtige, sehr langsame und 
niemals sprunghafte Fortentwicklung nahm. Der Keferrnarkter Altar muß 
aus dem alpenländisch-österreichischen Kunstkreis erklärt werden!" 
So wird man denn auch in Zukunft mit der von mir vorgeschlagenen, 
natürlichsten, weil zunächstliegenden Zuteilung rechnen dürfen. Leider fehlt 
uns aber, zumal auch die Kunsttopographie Österreichs für die fraglichen 
Gebiete noch aussteht, weiteres Vergleichsmaterial. Da dürfte es nicht ohne 
Interesse sein, auf zwei Werke hinzuweisen, die, wenn sie auch nicht von 
der Hand des Meisters von Kefermarkt selbst herrühren, doch seinem Kreis 
und Wesen sehr nahestehen. Das eine ist eine Statue eines heiligen 
Stephanus von gut einem Meter Höhe in der Sammlung Albert Figdor in 
Wien" (Abb. r und 2). Über die Schulangehörigkeit der Figur kann kaum 
ein Zweifel bestehen. Die ganze Auffassung, der markige Gesichtstypus, 
namentlich die rundliche breite Stirne und die stark betonten Augenbogen, 
' Georg Lill, Ein neuentdecktes Almrwerk Riemenschneiders? in der „Kuuatchronilw, Neu: Folge, jahr- 
glng XXIV (xgujß) S. 66x. 
" Iulius Leisching, Figurale Holzplastik. Wien. l. (X908), Tafel 50.
	        

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