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Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

mit dem Dach der Hütte und seiner Balkenkonstruktion und mit den Felsen- 
partien. Für den keineswegs notwendigen Engel mit dem Schriftband auf dem 
Steinrelief haben wir in dem Kefermarkter Geburtsrelief ein Analogon. Ganz 
aus dem Geiste des Meisters jenes Werkes heraus entstanden erscheinen 
aber vor allem die Schriftbänder haltenden Engelchen auf den flankierenden 
Säulchen des Steinreliefs. Sie haben genau wie auf dem Kefermarkter Relief 
der Verkündigung die gleiche Aufgabe dekorativer Belebung der Architektur. 
In verwandter Weise stattete ja auch der Meister E. S. seine architektonischen 
Umrahmungen aus, die dann da und dort Erasmus Grasser plastisch oder die 
Maler des Facher-Kreises in Gemälden nachahmten; nirgends aber besteht 
eine so enge Übereinstimmung hinsichtlich dieses in der Plastik ziemlich 
seltenen Motives wie in den beiden vorliegenden Fällen, so daß wohl, zumal 
auch die nahe örtliche Verwandtschaft dafür spricht, auf eine gewisse 
Abhängigkeit des Meisters des Steinreliefs von dem Kreise des Kefermarkter 
Altars gefolgert werden darf. In diesem Sinne wird dem Steinrelief, das wohl 
gegen 1500 anzusetzen ist, eine besondere Beachtung zu schenken sein. 
Um nicht etwa die Vermutung aufkommen zu lassen, als hätte mich 
Ubell mit verschiedenen andern Punkten seiner Erwiderung belehren und 
widerlegen können, sei noch einiger derselben hier gedacht. Ubell schreibt: 
„Daß die Altäre im Taubergrund von vornherein nicht für die farbige Fassung 
berechnet waren, geht schon daraus hervor, daß ja Augen und Lippen (wie 
am Kefermarkter Altar) farbig angegeben sind." Hier befindet sich Ubell nun 
im Irrtum. Farbige Angaben der Augen - meist sind nur die Augensterne 
eingemalt - und der Lippen bei Holziiguren, die sonst einer farbigen 
Bemalung entbehren, sind durchaus nichts Ungewohntes. Bei von allem 
Anfang an farblos gedachten bildnerischen Werken, namentlich solchen der 
Kleinplastik, begegnen wir diesen Hilfsmitteln zur Erhöhung lebendiger 
Wirkung sehr häufig; bei Werken größeren Maßstabs, zum Beispiel bei 
Büsten von Chorgestühlen, verzichtet man stets darauf. Man darf nun aber 
nicht in den falschen Rückschluß verfallen, daß größere Figuren, die Andeu- 
tungen der Augen und eventuell der Lippen tragen, deshalb nicht für farbige 
Fassung bestimmt waren oder eine solche nie besessen haben. Der mit 
mittelalterlichen Werkstattgewohnheiten näher Vertraute weiß, daß unter 
den sach- und fachgemäß auf Kreidegrund aufgetragenen Augen sich häufig 
unmittelbar auf das I-Iolz aufgemalte Augen iinden, die bei Abnahme schad- 
hafter originaler Fassungen zutage treten. Der Brauch scheint keineswegs 
vereinzelt, denn ein Petrusrelief des Bayerischen Nationalmuseums von 
StephanRottaleribelegt ihn für die Landshuter, eine besonders charakteristische 
Statue der heiligen Afra ebenda für die Augsburger Schule, am häufigsten 
aber begegnet er in der fränkischen Schule und gerade bei Riemenschneider. 
So zeigen die zwölf Apostel aus der Marienkapelle in Würzburgf" die bemalt 
"' Abbildung bei Ph. M. Halm, Stephan Rottaler, 1908, S. 55. 
W Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums. Band Vl, Gotische Altertümer der Baukunst und 
Bildnerei. 1896, Nr. 693-700 und Tafel XXII.
	        
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