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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

Bedürfnissen wird sich jene bereits errungene Reife der Gestaltung auch wirklich vielfältig 
entfalten und einbürgern können, wie dies zu einem machtvollen Auftreten nach außen 
nötig ist. 
ÜGENDARBEIT BEI H. HELLER. Eine Gruppe von Zeichenlehrern, welche 
der Vereinigung „Kunst und Schule" nahestehen, haben den glücklichen Einfall ver- 
wirklicht, zu zeigen, wie sich die Kriegsereignisse in der Seele des Kindes widerspiegeln. 
In erster Reihe ist die kleine Schaustellung von ]ugendarbeiten im Kunstsalon Heller den 
Herren Maler Alexander Haxtmann und Professorjosef Beyer zu danken, welche ihre Kurse 
an der l-Iohewarte-Schule, am Mädchen-Realgymnasium (VIII. Bezirk), am k. k. Erzherzog 
Rainer-Realgymnasium (II. Bezirk) und am Zivil-Mädchenpensionat vorführen. Ihnen 
schlossen sich an: Professor Rainer vom k. k. Franz joseph-Realgymnasium (II. Bezirk), 
A.Kunzfeld vom k.u.k. Ofiizierstöchterinstitut, R. Rothe von der Bürgerschule im XVI. Bezirk 
und Fräulein Pfad" vom Hietzinger Lyzeum. Aus der Mannigfaltigkeit der Altersstufen und 
Lehrziele ergeben sich auch die verschiedenen Abstufungen der Leistungen. Wer mit den 
Erscheinungen der ]ugendkurse vertraut ist, wird sich nicht wundern, daß die unteren 
]ahrgänge die eigenartigsten, naivsten, die oberen die phantasieärrneren, wenn auch durch- 
gebildetsten Resultate zeigen. 
Der allgemeine Eindruck ist ein durchaus erfrischender und fesselnder. Was den 
Erwachsenen bisher noch nicht gelang, hat die Jugend spielend geleistet. Die wundervolle 
Unbefangenheit und Waghalsigkeit, mit der begabte Kinder das Schwierigste ohne Vor- 
arbeiten darzustellen wagen, die überraschende Frische und ungebrochene Lebhaftigkeit 
der Phantasie, mit der das Kind, durch Erzählungen und Tatsachen angeregt, ohne lokalen 
Augenschein, innerlich packende Bildwirkungen erlebt - das alles zwingt den künstlerisch 
Empfindenden zu staunender Freude an solchen primitiven Äußerungen. Die Jugendbildner, 
welche das Zeichnen als Ausdrucksmittel pHegen und nicht die Handfertigkeit und Routine, 
sondern die Empfänglichkeit für Eindrücke und die Schilderung des Erlebnisses als die 
wertvollsten Ziele ihrer Tätigkeit betrachten, haben in diesem jahre den Schulbeginn für 
ihre Absichten gut zu nützen verstanden. 
Was alle Menschen bewegt, was aus den Gesprächen der Erwachsenen, im Bild der 
Straße als große Ereignisfolge hervorging, hat die Kinderseele naturgemäß lebhaft aufgeregt. 
Es bedurfte nur einerAufforderung, das zu schildern, was der einzelne gesehen oder erfahren 
und aufgefaßt hat. um eine Folge der eigenartigsten Darstellungen ins Leben zu rufen. 
Während bei den Mädchen die Teilnahme für die Flüchtlinge, für die Frierenden und 
verwundeten, das mitleidsvolle Verharren bei den Folgen und Begleiterscheinungen der 
kriegerischen Ereignisse hervc rtritt, haben die Knaben oft mit grausamer Naivität die Kampf- 
lust selbst, das Blutvergießen und das kriegerische Leben im Felde zum Gegenstand 
ihrer Darstellungen gemacht. 
Und wie prächtig unmittelbar wissen die Kinder das anzufassen, was sie interessiert 
und beschäftigt. Wie gut wissen sie das Wesentliche in einen gegebenen knappen Raum 
wirkungsvoll einzuordnen; das zeigen so recht die äußerst gelungenen Entwürfe zu Plakaten 
für Kälteschutzmittel und andere Vorwürfe. Das Plakathafte ist dem kindlichen Ausdrucks- 
vermögen ja so naheliegend. Auch die Schutzmarkenentwürfe zeigen denselben Sinn für 
dekoratives Ornament, für einfache Kontrastwirkung. 
Daneben zeigen die Arbeiten eines Realgymnasiums, wie diese Frische und Farben- 
freude erhalten bleiben kann und in höheren Altersstufen zu strengem Stilismus heran- 
gebildet werden soll. Diese schwierigste Seite der Jugenderziehung, welche die Impulsiviti-it 
des kindlichen Alters mit der reiferen, bewußteren Arbeitsweise der späteren Jahre nicht 
ertöten, sondern lebendig erhalten soll - auch diese wichtige Möglichkeit ist aus guten 
Arbeiten zu erkennen. Dazwischen ist eine Mannigfaltigkeit von Einzelerscheinungen 
aufzufinden, von denen jede ihre Besonderheit hat, trotzdem der flüchtige, oberflächliche 
Beobachter leicht generalisieren könnte. Die teppichartige Darstellung, die bei sehr frühen
	        

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