MAK

Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

mit anschaulicher Darstellung mannstiefer Schützengräben, armiert durch Brustwehr und 
Seitendeclrung. 
Ein Mikrokosmus waffenstarrend; in Spielzeugformat Abbild schrecklicher Wirklich- 
keiten, die nicht enden wollen, solange die Erde steht. Und das Märchenwort vom stand- 
haften Zinnsoldaten weist hier mit symbolischer Deutung auf den Begriff: „Der ewige 
Krieg". F. P. 
ERLINER DEKORATIVE CHRONIK. Das Große und Neue dieses Krieges 
scheint auch, daß zwischen den Waffen die Künste nicht schweigen. Und ein Beweis 
der treibenden fruchtbaren Lebenskraft des Volkes ist's, daß, während draußen aus 
chaotischer Verwirrung und Elend eine neue Ordnung der Welt sich gebären soll, im 
Inneren die Lebensform und die Interessen der Friedenszeiten durchgehalten werden. 
Mit oft furchtbaren Mitteln wird in Schmutz und Verwahrlosung für edelstes Kulturgut im 
Feld gekämpft. Uns Daheimgebliebenen erwächst daraus die Pflicht, außer für tatkräftige 
Hilfe auch dafür zu sorgen, daß errungene Werte geistigen Besitzes inzwischen nicht 
verloren gehen. Wenn unsere Soldaten einmal wiederkehren, sollen sie sehen, daß der 
heimische Acker nicht vernachlässigt ward und daß wir gute Hausverwalter gewesen. So 
ist, wofem man nur die praktischen Tugenden nicht vernachlässigt, die Sorge um die 
Kunst durchaus nicht unzeitgemäß und die geeignete Antwort auf den Vorwurf des Nur- 
Militarismus. 
Shaw tat uns mit dem Wort „Potsdam" ab, aber Potsdam heißt ja nicht nur Riesen- 
garde und Wachtparade, sondern auch Sans-Souci mit Geistestafelrunde, Bibliothek und 
Flötenkonzert, und dieses Schloß ward zwischen den Kriegen erbaut von einem Einzigen, 
der Feldherr war und Philosoph, Schlachtengenius und Einsiedler. 
So wollen auch wir im Brausen der Zeit und in der Leidenschaft von Schicksal und 
Anteil nicht ganz die stilleren Freuden und Empfänglichkeiten überdröhnen lassen. Und 
gewiß nicht unpatriotisch kann es sein, jetzt eine Andacht zu deutscher Art und Kunst zu 
halten. Schöne Gelegenheit gibt dazu die Ausstellung zweier wesensechter starker Meister, 
Emil Lettres und Eduard Pfeiffers. 
Richard L. F. Schulz, ein Sammler und Händler, der sich nur mit Leistung höchster 
Grade und unbestochener Forderung abgibt, zeigt in seinen Räumen voll Geschmacks- 
regie (in der Bellevuestraße) Arbeiten dieses Edelschmieds und dieses Möbelbaumeisters. 
Verwandt sind sich beide - oft waren sie auch Brüder am gemeinsamen Werk - im 
treuen Sinn für die Werkstatt und deren strengem Gebot, in ihrer Ehrfurcht vor jeglichem 
Material, dem sie nachfiihlend abfragen, welche Form ihm gemäß. Dazu das liebevoll 
Nachdenkerische in Bosseln, Basteln und Zieren. Deutsche Tugenden sind das aus 
Blütezeiten der Vergangenheit. Und oft hat man das Gefühl von Seelenwanderung und 
Wiederkehr. Die Muse Eduard PfeiEers scheint aus Diirers oder Cranachs Bezirken: eine 
Wappenfrau zwischen Truhe und Linnenschrank, die Haare künstlich wie Goldspiralen 
gedreht, umgeben von schnörkelhaft bedeutsamem Gerät, von Sanduhr und Astrolabium. 
An seinen Möbeln wirkt charakteristisch, wie eine quellende einfallsreiche Schmuck- 
freude sich beherrscht, voll Selbstbeschränkung und Maß der Gesamtaufgabe sich hingibt. 
In PfeiHer blüht etwas von dem schwelgerischen sinnierlichen Trieb der alten Omament- 
stichkünstler. Aber es überwuchert nie sein Werk. Stets bleibt die Hauptsache die gut- 
gewachsene reine Form. 
Das beobachtet man ebenso an niedlichen Schauschreinen mit Sprossenverglassung 
und Elfenbeintürknöpfen auf dem geigenbraunen Holz, wie an den großen Schränken, bei 
denen der Schnitzzierat (erlesene Arbeit der Pössenbacherschen Werkstatt) weise nur 
als eine Betonung der Konturen, der Kanten an den im übrigen glatten Flächen des 
mächtigen rundbogigen Gesirnsgiebels verwandt wird. 
Und sehr eigen kehrt es transponiert auf den in flacher Schüsselform gebildeten 
Füßen wieder. 
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