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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

bilder darstellen, Erzeugnisse, denen gegenüber Dirk van Star und Aertsen 
klassisch wirken. Hierüber ist natürlich kein Wort zu verlieren, außer dem 
Wunsche, daß eine Zeit einmal reich genug sein möge, um mit ihnen 
aufzuräumen. 
Die Gegenwart kündigt sich auch hier durch die Entschlossenheit an, 
von neuem anzufangen, technisch und künstlerisch da anzuknüpfen, wo 
etwas zu lernen ist. Auf halbem Wege blieb Melchior Lechter stehen, der 
ähnlich den Morris und Ruskin das Heil in einem zu äußerlich und deko- 
rativ aufgefaßten Gotizismus erblickte, dessen Verdienst aber in dem 
Wiederaufnehmen der Eigenhändigkeit und mosaikartig leuchtender Farben- 
flecken besteht. Und Ähnliches gilt von dem Frankfurter Linnemann, dessen 
Gotik jedoch einer Modernisierung sich gewogen zeigt. Das amerikanische 
Opalglas bot nur ein neues Material, das mit großer Vorsicht anzuwenden 
ist. Was uns zu der Hoffnung berechtigt, die Grundlagen einer neuen Blüte 
der Glasmalerei seien vorhanden, das ist fast ausschließlich der Tätigkeit 
eines Mannes zu verdanken, der die edle Kunst im Geiste eines Hirschvogel 
und Pantelynk betreibt, Gottfried Heinersdorffs. Denn es kommt nicht 
darauf an, daß wir die Technik der Alten neu beleben: man kann längst so 
schöne und feurige Gläser herstellen, ja die Zahl der Farben ist - leider 
muß man sagen, zum Schaden der Glasmalerei - ins Ungemessene ver- 
mehrt worden, und es ist möglich, alte Scheiben so zu kopieren, daß sie 
von den echten sehr schwer zu unterscheiden sind. Was notwendig war, 
hat Heinersdorff mit zäher Energie und einem Idealismus durchzuführen 
begonnen, der die Grundlage unserer deutschen Gewerbekunst bildet: die 
Heranziehung der richtigen Künstler zu den rechten Aufgaben und die 
Leitung des künstlerischen Stromes in ein der Glasfenstertechnik ent- 
sprechendes Bett. Hier, bei der mühsamen Wiederanknüpfung verloren 
gegangener Fäden, liegen alle Möglichkeiten allein bei dem Vermittler, der 
den Auftraggeber zu einem gefährlich scheinenden Verlassen der üblichen 
Bahnen bewegen, der auf der andern Seite den allzu kühn vorangehenden 
Künstler zurückhalten muß, weil er allein die endgültige Wirkung, die 
Möglichkeiten und Grenzen der Technik, die Gefahren im Auftraggeber 
kennt und abzuwägen weiß. Darum ist ein Mann wie Heinersdorff, der sich 
selber mit Besonnenheit im Hintergründe hält und andere Künstler zu seinen 
Aufträgen heranzieht, als der wahre Schöpfer des modernen Glasfensters zu 
betrachten, dessen Aussehen sich langsam aus den Versuchen herauszu- 
schälen beginnt. 
Auf diesem Wege der Führung durch Ausführende, welches der Weg 
aller großen Glaskunst war, ist denn auch die alte und doch immer 
erstaunliche Tatsache wieder erschienen, daß die Technik der Glasmalerei 
den Künstlern das Höchste herauslockt, daß sie ihre Fähigkeiten auf 
glänzende Weise steigert. Nie haben verschiedenartige Begabungen wie 
Cäsar Klein, Paul Rößler, Otto Gußmann so restlos befriedigt wie in ihren 
Glasfenstern. Und nie war der Ehrgeiz größer, künstlerisch Einwandfreies
	        

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