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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

EIN FRIEDHOFSMUSEUM 50 VON JULIUS 
eines ihrer jüngsten Sprößlinge, das Friedhofs- 
museum von Mährisch-Trübau, eine bisher kaum 
bekannte Eigenart bezeichnen. Denn der un- 
vergleichliche Campo santo von Pisa enthält 
, keineswegs bloß kirchliche Kunst, sondern auch 
ägyptische Altertümer, den Kopf des Achill, 
römische Inschriften und Meilensteine und etrus- 
kische Vasen. Das Mährisch-Trübauer Fried- 
hofsmuseum beschränkt sich dagegen nur auf 
Grabsteine, die daselbst gefunden wurden. Mährisch-Trübau, am Ost- 
abhang des bewaldeten „Schönhengst" (nach dem der ganze Gau sich nennt) 
anmutig in einem fruchtbaren Tal gelegen, erfreut sich alter Kultur. Nament- 
lich die Renaissance hat hier eine Reihe bedeutsamer Werke hinterlassen, 
die für die Bedeutung des heute seitab liegenden Ortes im XVI. ]ahrhundert 
sprechen. Das Burgtor, 1492 bezeichnet, gehört zu den frühesten Äußerungen 
südlicher Bauformen'auf österreichischem Boden. Seine noch unbeholfenen, 
provinziellen Gliederungen deuten an, daß sein Meister _ ein heimischer 
kann es keinesfalls gewesen sein, wie früher angenommen wurde - - einer 
jener zahlreichen oberitalienischen Maurerfamilien angehörte, die fortan 
durch zwei Jahrhunderte die Geschicke der österreichischen Baukunst 
bestimmten. Namentlich aus dem Oberengadin kam eine Reihe solcher 
Wanderkünstler gerade nach Mährisch-Trübau. 
Sehr merkwürdig sind ja auch die zwei Steinreliefs am Trübauer Burg- 
tor mit den Brustbildern des Burgherrn Ladislaus von Boskowitz und seiner 
Gemahlin Margarete, beide mit der Jahreszahl 1495 bezeichnet und in der 
italienischen Tracht dieser Zeit dargestellt. Man wußte bisher nicht, wer sie 
wohl angefertigt haben könnte. Ich halte sie für zweifellos italienische Arbeit 
und glaube ihrem Meister auf der Spur zu sein. Unter Ladislaus von Bos- 
kowitz war, wie Czerny soeben nachwiesf ein „Matthaeus" Steinmetz in 
Mährisch-Trübau. Im jahre 1517 wird schon von seinen hinterbliebenen 
Waisen gesprochen. Und da er hierbei „Matel" genannt wird, vermute ich i 
da dies doch schwerlich, wie Czerny annimmt, eine etwa ortsübliche Ver- 
stümmelung von Matthäus sein kann f, daß auch schon dieser Matel zu 
jener vielgliedrigen Familie der Motalla gehörte, die dann sehr viel später, 
von 1594 bis 1746, hier nachweisbar ist und da gelegentlich „Matal" genannt 
wird. GiovanniMotalla hat, nach den Feststellungen Groligs, 16x I im Auftrage 
des nunmehrigen Burgherrn Ladislaus Welen von Zierotin mit dem Neubau 
des Mährisch-Trübauer Schlosses begonnen. 
" Alois Czerny: Mährisch-Trübauer Künstlernamen und Kunsthundwerker (Zeitschrift des Erzherzog 
Rainer-Museums, xgx5, Nr. 3). 

	        

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