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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

Wirken die Schaffung neuer wirtschaftlicher und die Wiederkehr ruhiger politischer 
Verhältnisse herbeiwünschen; die polnische Kunst zeigt zwar das merkwürdige Beispiel, 
daß der schwerste Existenzkampf von bedeutendem künstlerischen Schaffen begleitet war. 
Auch das Toben des Weltkrieges hat die polnischen Künstler nicht zum Schweigen gebracht. 
Das Ringen aller gegen alle drängt aber das Leiden einzelner so sehr in den Hintergrund, 
daß selbst ein ganzer-Volksstamm es nötig finden muß, durch seine Kunst die Aufmerksamkeit 
auf seine Leiden zu lenken. 
GRAPHISCHE AUSSTELLUNGEN. Es ist eine erfreuliche Erscheinung für 
alle der Kunst Ergebenen, daß vielfache - wenn auch zumeist noch bescheidene - 
Versuche angestellt werden, den unterbrochenen Kontakt zwischen Künstlern und Kunst- 
freunden allmählich wieder enger zu gestalten. 
Bei diesen Bemühungen bietet die Graphik günstige Möglichkeiten; die vorhandenen 
Ausstellungsgelegenheiten reichen hin, um anziehenden kleinen Kollektionen Raum zu geben, 
und die Teilnahme der Kunstfreunde ist dabei doch auf keine zu starke materielle Probe 
gestellt. 
Bei Hugo Heller waren Andreas Zorn, Luigi Kasimir und Max Pollak vertreten. 
Die stark persönlichen, Bott und sicher radierten Akte und Porträte des berühmten 
schwedischen Malers Zorn sieht man immer gern, wenn man sie auch schon lange kennt, 
und wenn man auch vieles heute als Manier empfindet, was einst originell wirkte. Die außer- 
ordentliche Sicherheit seines Darstellens vor der Natur beobachteter Lichtwirkungen, 
das Durchsonnte, Luüumspielte seiner zumeist ins Freie gestellten üppigen Figuren, das 
seine Bilder auszeichnet, ist merkwürdig lebendig auch durch die Ätzkunst und die Nadel 
ausgedrückt. 
Daneben wirken die Studien aus dem „Barackenlager in Nikolsburg" - Proben aus 
einer Mappe mit 50 Blättern, welche von Max Pollak stammen, ernst und hart - wie das 
Schicksal, das die Dargestellten getroffen hat. Und doch verweilt man bei ihnen heute 
lieber - nicht nur weil die Stimmung des Augenblickes sie uns um vieles näher bringt als 
die Lebenslust des schwedischen Künstlers. Trotz vieler Sprödigkeiten des Stoffes sind 
die schlicht und ohne Bravour, aber mit Innigkeit des Empfindens erzählten Szenen aus 
dem Massenquartier der Flüchtlinge zu menschlichen Dokumenten von künstlerischem 
Wert gestaltet. Eine feine Ölstudie zeigt dieselben Vorzüge. 
Einige größere Veduten aus der Donaulandschaft (Teile der Serie: Burgen und Klöster 
Niederösterreichs) zeigen die kräftige, populäre Nadelarbeit Luigi Kasimirs und seine 
Gewandtheit, für den Wandschmuck bestimmte Darstellungen zu behandeln, die den 
Bedürfnissen weiter Kreise entgegenkommen. 
Beil-lalm und Goldmann war eineKollektivausstellung desMalerradierers I. C.Vondrous 
zu sehen. Er brachte eine Folge von Radierungen, die teils in Amerika, teils in Österreich 
entstanden, die durch reizvolle Aquarelle ergänzt wurden, welche zumeist als Vorarbeiten 
der Radierungen dienten. Der Künstler, in Österreich geboren, in Nordamerika lebend, hat 
ganz die Liebe für Architekturen und für das großzügige Leben der Städte, die bei den 
Angloamerikanern so häufig zu finden sind. Er hat die sichere Zeichnung, aber auch den 
tonigen Reiz auf die Platte gebracht, welche den Nebel und Lichtschimmer der Hafenluft 
ebenso überzeugend wiedergeben wie das reiche Detail gotischer Portale oder rnastenreicher 
Schiffskörper. 
Seine Liebe für die alte Baukunst führt ihn aber immer wieder nach Europa, und seine 
Anhänglichkeit an die Heimat spricht aus zahlreichen Prager Architekturen und böhmischen 
Bauernhäusem. 
Es ist ja sicher, daß die höchste künstlerische Qualität von dem dargestellten Gegen- 
stand nicht abhängig ist; manches Blatt erfreut durch diese über das Dargestellte hinaus- 
reichende Bedeutung, die unabhängig vom Erzählenden bleibende Werte schafft. Wo 
es sich aber nicht um ganz hervorragende Erscheinungen handelt, ist der gegenständ-
	        

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