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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

liche Reiz graphischer Arbeiten ein nicht zu unterschätzender Vorzug 7 das gilt für einen 
sehr großen Teil aller neueren Leistungen, denen die ganz großen Erscheinungen 
ja fehlen. 
Durch diese wertvolle Tätigkeit künstlerischer Interpretation, durch fein empfundene 
Wiedergabe künstlerisch geschauter und erlebter Eindrücke wird der Graphiker von Qualität 
eine wichtige Erscheinung in unserem Kunstleben. Er vermehrt den Schatz an wertvollen 
künstlerischen Dokumenten unserer Zeit, unserer Zustände und Milieus, und er wirkt der 
Verflachung des Geschmackes, welche durch das Vorherrschen der Lichtbildreproduktion 
entsteht, entgegen. 
Der Graphiker wird immer mehr auf seine Selbständigkeit angewiesen, je stärker die 
mechanischen Reproduktionsverfahren die Buch- und Zeitschriftenillustration beherrschen 
und den Wandschmuck in seiner großen Masse beeinflussen. 
Er bedarf darum um so mehr weitgehender Förderung und Unterstützung, je dornen- 
voller und selbstloser sein Wirken geworden ist. ' 
In der Folge graphischer Kollektivausstellungen des Kunstsalons Halm und Gold- 
mann wurden zwei jüngere Künstlererscheinungen nebeneinander aufgeführt, die beide 
noch wenig in der Öffentlichkeit bekannt sind. 
Hela Peters (Leipzig) vereinigt eine heitere und anmutige Art, die vornehmlich in 
Damen- und Kinderporträten, in Kostümfiguren zart und fein anklingt, mit einer sinnigen 
und kräftigen, die vom Exlibris bis zum lebensgroßen figuralen Akt steigerungsfähig bleibt. 
In den ersteren steht sie französischen Arbeiten näher, in den letzteren der Persönlichkeit 
Kolbs, der auf ihren Werdegang Einfluß hatte. Es ist eine liebenswürdige und ausgeglichene 
Hand, die ihre Radiernadel vielen zur Freude führt. 
In Guido Stella, dem Italiener, der in München studierte und nun viel in Schweden 
weilt, tritt eine wandlungsfähige, vielfach noch suchende Begabung auf, welche dem ernsten 
Naturstudium obliegt. Wenn ihn auch seine Phantasie zu manchem lebendigen Blatt von 
vielseitigem Inhalt gedrängt hat, am stärksten wirken doch die großen Blätter, die er in 
Schweden geschaffen. Das reiche Liniengewirr, der bewegte Formengehalt großer Bauplätze, 
interessanter Fabriken, welche auch die Amerikaner darzustellen lieben, führt ihn zu kraft- 
vollen Blättern, die eine Apotheose der Arbeit genannt werden können. Hier Endet er auch 
die persönliche Note, die ihn am kräftigsten auftreten läßt. 
Auch in der Galerie Arnot ist jetzt ein Graphiker, der Radierer Jan Portenaar 
(Amsterdam), durch eine größere Anzahl anziehender Arbeiten vertreten. Sie zeigten eine 
wesentlich andere Note als sie der arnerikanisierte Österreicher Vondrous repräsentiert. 
Zwar lassen auch manche Arbeiten Portenaars - besonders jene aus London - die 
Einflüsse englischer Architekturzeichner erkennen. Seine besten Arbeiten stehen aber auf 
holländischem Boden und lassen die alte gute Tradition holländischer Radierkunst durch- 
fühlen. 
Auch hier ist das Gegenständliche nicht auszuschalten; da es aber von so reizvoller 
Art ist wie die alte holländische Bauweise, so bleibt es selbst dort von künstlerischem 
Interesse, wo es in den Blättern die Hauptrolle spielt. 
Als starker Kontrast zu einer auf alten Traditionen unmittelbar fußenden, das Persön- 
liche diskret betonenden Graphik ist in der kleinen Schaustellung bei Arnot das Wirken 
eines ganz jungen Malers, Johannes Fischer (Wien), vorgeführt worden. 
Er ringt nach stark persönlichem Ausdruck, sucht neue Wege, die vor allern der 
leuchtenden Farbe, dem kraftvollen Ton gelten. Gegenständliches oder zeichnerischer Reiz 
werden ganz vernachlässigt. Gerade dadurch wird aber oft der Eindruck des Unzulänglichen 
bewirkt, der nur in wenigen Fällen, wo die prächtige Farbe entschädigt, weit genug in den 
Hintergrund tritt. Je höher die Ziele, desto seltener das Gelingen. 
Es wäre voreilig, solches Streben, auch wenn es noch nicht zum Ziele führte, unbedingt 
abzulehnen. Der Eigentumsvermerk bei den Bildern beweist auch, daß der junge Künstler 
schon tatkräftige Förderer gefunden hat, die an seine Zukunft glauben. So kann man nur
	        

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