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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

wünschen, daß ihm auch weiterhin die Entwicklungsmöglichkeit gegeben wird und er selbst 
aber zu jener Reife gelangt, die eine volle Freude gewähren kann. 
Nicht weit von der Stelle, an der so gastfreundlich einem Beginnenden Raum zum 
Auftreten vor der Ößentlichkeit gegeben wurde, hat die Eröffnung eines kleinen Schau- 
raurnes stattgefunden, der vorwiegend bekannten und schon lange eingeführten Kräften 
Raum gibt. 
Der „Wirtschaftsverband der bildenden Künstler Österreichs" hat am Opernring eine 
Auswahl von Arbeiten seiner Mitglieder, die verkäuflich sind und von Zeit zu Zeit ausge- 
wechselt werden sollen, ausgestellt. Es ist eine wirtschaftliche Aktion, zu der sich die 
Künstler, denen heute ja die besten Ausstellungsmöglichkeiten fehlen, vereinigt haben; und 
obwohl hier die „Sezession", der „I-Iagenbund" und die Genossenschaft bildender Künstler 
vertreten sind, fühlt man keine inneren Gegensätze prinzipieller Art, sondern nur persönliche 
Wertunterschiede und Ziele. 
Der einigende Grundzug ist wohl die Rücksichtnahme auf die Aufnahmsfähigkeit 
weiterer Kreise, an welche dieser von der Not des Augenblicks in bescheidene Grenzen 
gebannte Versuch appelliert. Es ist wohl fast bedrückend zu sehen, welch bescheidener 
Rahmen diesem ersten öffentlichen Auftreten des Verbandes noch gegeben werden mußte, 
und man muß lebhaft wünschen, daß die Aufnahme dieser Aktion durch die Freunde der 
Wiener Künstler es diesen bald ermöglicht, ihre Schaustellung auf breiterer Basis ein- 
drucksvoll zu gestalten. 
Dann wird auch noch jener so großen Zahl tüchtiger und ernster Kräfte Rechnung 
getragen werden können, welche schwer und ernst mit dem Leben zu ringen haben und 
denen nicht der Klang eines lange bekannten Namens zur Unterstützung dient. Diese sind 
es ja, welche heute besonders schwer getroffen wurden, die am meisten im Hintergrund 
stehen. Die Notwendigkeit nachhaltiger und kräftiger wirtschaftlicher Förderung unserer 
künstlerischen Kräfte ist so dringend geworden, daß man nur lebhaft wünschen kann, alle 
Wege mögen begangen werden, die in würdiger und wirksamer Weise zu diesem wichtigen 
Ziele führen. 
IENER AMATEÜR-PHQTOGRAPHEN-KLUB. Zugunsten des öster- 
reichischen Roten Kreuzes wurde in den Räumen des Wiener Amateur-Photo- 
graphen-Klubs eine kleine und doch sehr anregende Ausstellung von Arbeiten der 
Klubmitglieder veranstaltet, welche ausschließlich durch das Bromöldruckverfahren und 
einen damit zusammenhängenden Handpressedruck hergestellt wurden. Dieses Verfahren, 
das besonders vom Präsidenten des Klubs ausgebildet und studiert und nun von den 
Mitgliedern vielfach angewendet wurde, gestattet eine ziemlich weitgehende persönliche 
Einilußnahme desjenigen, der die ursprüngliche Naturaufnahme bearbeitet. Es steht dem 
Lichtdruckverfahren nahe, mit dem es die Gelatingrundlage gemeinsam hat, und er- 
möglicht durch die Behandlung der mit dem Pinsel aufgetragenen Grundfarben eine 
Zurückdrängung kleinen Details und ein Hervorheben und Verstärken der Gegensätze 
oder einheitlichen Grundtöne. Überall dort, wo nicht sehr bedeutende Vergrößerungen 
angewendet werden, kann mit diesem Verfahren einerseits eine sehr kräftige, aber auch 
andrerseits eine zarte Wirkung erreicht werden, die künstlerischer Empfindung Ausdrucks- 
möglichkeit gibt. 
Unter den ausgestellten Arbeiten treten besonders jene der Herren Dr. E. Mayer und 
R. A. Baller hervor, doch sind auch von anderer Seite viele gute Leistungen zu sehen. Die 
Landschaften und Architekturaufnahmen zeichnen sich oft durch einen sehr wirkungsvollen 
Naturausschnitt aus, dem 'eine starke Vereinfachung des Details und eine richtige Ver- 
stärkung oder Zusammenfassung der Lichtwirkung gegeben wurden. Dadurch nähern sich 
viele Blätter der Wirkung guter Radierungen. Überraschende Resultate sind mit Stilleben 
erzielt worden, ebenso wie einige Porträte sich angenehm über den Durchschnitt bekannter 
Leistungen erheben. Das riihrige und tüchtige Schaffen auf einem bestimmten entwicklungs-
	        

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