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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 6)

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Es wird daher für die Aufstellung eines Denkmals nicht nur der heute 
bestehende Maßstab des Platzes bestimmend sein dürfen, sondern es wird 
für die Zukunft wichtig sein, daß dieser Maßstab auch späterhin nicht gestört 
wird durch neue Bauwerke. Sache einer richtig geführten Gemeindeverwaltung 
ist es, derartige Dinge durch die entsprechenden Personen regeln zu lassen. 
Hier soll daran erinnert sein, daß das menschliche Gehirn sehr wenige 
Grundformen begreift. Was groß, klar und überzeugend wirken soll, muß 
im Augenblick verstanden und erkannt werden. Dreieck, Rechteck und Kreis, 
Pyramide, Prisma und Kegel sind solche Formen, die man sofort erkennt 
und versteht. Jede andere vielfältige Form verlangt zwei Gedanken und mehr. 
Da diese Gedanken hintereinander folgen, kann davon niemals die rechte, 
klare Wirkung ausgehen. Daher sollen Grab- und Denkmale immer eine 
jener Grundformen haben. Auch wenn sie wegen ihrer Umgebung, wegen 
ihrer Zwecke und Wir- 
kungen noch so reich be- 
handelt werden müssen, 
hat ihre Grundform klar 
und leicht verständlich 
zu sein. Wie die Pestsäule 
am Graben in Wien die 
Dreieckpyramide trotz 
ihrer so starken Gliederung 
leicht erkennbar macht, 
oder wie der Stephans- 
turm die vierseitige Pyra- 
mide deutlich zum Aus- 
druck bringt: zwei Denk- 
male, scheinbar frei von 
aller irdischen Mühe und 
Last, die ihr Wirkungsziel 
fest einhalten und vollen- 
dete Lösungen sind, wie 
sie ganz selten gelingen. 
DieAnwendungvor- 
stehender Grundsätze 
mag ein Beispiel erläu- 
tern, das zugleich die 
Abhängigkeit der Form 
des Denkmals von seiner 
Umgebungdeutlichmacht. 
Eine kleine Gemeinde im 
 
steierischen Salzkammer- 
gut will ein Kriegerdenk- 
mal errichten. Die Lage 
ist etwa folgende: Im 
Talgrund zwischen den 
Ausläufern des Dachstei- 
nes und des Toten Ge- 
birges zieht sich die Land- 
straße im Bogen hin. 
Beiderseits der Land- 
Straße stehen die I-Iäuser 
der Gemeinde. Am Ende 
des Ortes gibt es einen 
etwa 20 Meter hohen 
Hügel, der zur Straße 
steil abfällt; am andern 
Ende des Ortes ragt ein 
bewaldeter Berg, der die 
Pfarrkirche trägt, bis zu 
150 Meter Höhe auf. 
Er senkt sich südwärts 
rasch zur vorbeiziehenden 
Reichsstraße hinab. Die 
eine Lösung wäre nun die 
Aufstellung einer runden 
weißen Kalksteinsäule 
vor dem dunklen Wald- 
grund am Fuße des Ber- 
Grabmal aus Eichenholz gehackt und rnir dem Hohleisen bearbeitet. Zu wiederholter Anwendung geeignet. 
1-30 Meter hoch. Entwurf Schule Honmann, Rudolf jirasko aus Wien
	        

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