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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 6)

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tage. Gerade hier hat das Fehlen der sogenannten „Schlager" der großen Formate und 
Sensationen reinigend gewirkt. Eine Gruppe von Begabungen kommt hier zu Worte, die 
sonst von dem Aufwand der großen Schaustellungen erdrückt wurden und hier mit Recht 
lebendig werden. Ältere Künstlerpersönlichkeiten wagen wieder ihre tonigen intimen 
Arbeiten an deutlich bemerkbarer Stelle zu zeigen, und jüngere wissen sich von dem 
Sensationszwang befreit in ernsteren und feineren Werken zu zeigen; das Modeporträt 
fehlt gänzlich. So fällt dieser größte und für die Kontinuität der Schaustellung gefährlichste 
Raum nicht aus dem Zusammenhang. 
Die Sezession bereitet durch zwei Räume einen vorteilhaften Empfang. Sie hat dies- 
mal ihren Wiener Mitgliedern vorwiegend den Erfolg zu verdanken, der von tüchtigen, 
farbigen Stilleben und ernsten Landschaften besonders gefördert und mit ruhigen, ziel- 
bewußten Arbeiten erreicht wird. 
Auf der andern Seite schließen sich I-Iagenbund und Klimt-Gruppe an, die weitaus 
den fortgeschrittensten Typus repräsentieren. 
Hier ist auch eine Reihe ganz junger Begabungen eingeführt, die neuen Zielen nach- 
strebt; es freut, auch solche wieder zu finden, welche im Ausland geweilt haben, ohne sich 
an fremde Moden verloren zu haben. Wenn auch bei den beiden letztgenannten Künstler- 
vereinigungen wohl nicht das Höchstmaß ihrer eigenen Leistungsfähigkeit repräsentiert 
erscheint, manche hervorragende Persönlichkeit nur eben vertreten ist, wirkt der modernste 
Teil der Schaustellung doch auch erfreulich, weil einige bisher wenig hervorgetrctene 
Künstler Gelegenheit fanden, sich glücklich und erfolgreich neben den anerkannten 
Größen einzuführen. 
Es war eine gute Idee, den kleinen Eintrittsraum einer Auswahl von Plastiken und 
graphischen Arbeiten zu widmen, die aus allen Vereinigungen stammen und doch gut 
zusammenklingen. Es sind frische und heitere Arbeiten darunter, die über den Ernst des 
Augenblicks hinwegtäuschen. 
Es ist dies überhaupt die Signatur der ganzen Veranstaltung, daß die künstlerischen 
Interessen wieder belebt werden, daß nicht mehr Betäubung, sondern ein Vertrauen in die 
Zukunft hervortreten. Mögen die Künstlergruppen auch immer getrennt marschieren; man 
kann hier sehen, daß sie vereint eine Kraft betätigen können, welche das Vertrauen, die 
Liebe der Kunstfreunde wieder in ruhigere und zielsichere Bahnen lenken, welche die 
Feinde der Kunst wirksam zu schlagen vermag. 
Solche übersichtliche, verständliche Veranstaltungen sind dem Publikum gegenüber 
eine wertvolle Neueinfiihrung. In der Kunstpolitik ist die Organisation und das Sammeln 
aller Kräfte ebenso wichtig wie in jener des öffentlichen Lebens. „Ohne Gunst Kunst 
umsunst." 
ALERIE ARNOT. Sebastian Isepp, Franz Wacik und Helene Scholz. Zwei 
Maler und eine Bildhauerin, die nebeneinander mehr Kontraste als Verwandtschaften 
verkörpern, sind jetzt in der Galerie Arnot durch Kollektionen ihrer Arbeiten vertreten. 
Isepps virtuos dargestellte verschneite Waldausschnitte sind aus den Ausstellungen 
der Sezession bekannt; Waciks unterhaltende und gewandte Illustrationen bekannter 
Märchen sieht man in den Originalen gerne wieder, nachdem ja das mechanische 
Verkleinerungsverfahren des Buchdruckes nur einen schwachen Ersatz der Zeichnungen 
bietet. 
Helene Scholz ist weniger bekannt und führt sich durch eine ernst und einfach 
behandelte Büste eines schlesischen Kirchenfürsten vorteilhaft ein. Interessant sind ihre 
Versuche, in kleinen fxguralen Gruppen den Sensationen der furchtbaren Kriegszeit Ausdruck 
zu geben. Ihren glasierten Tonarbeiten, den kleinen liguralen Gruppen von angenehmer, 
strenger Geschlossenheit der Massen und äußerster Vereinfachung der Form und Bewegung 
kann man leider den Vorwurf nicht ersparen, daß die Technik und Durchbildung mit dem 
bildsamen. weichen Material und der Glasierung nicht recht in Einklang stehen. Solche 
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