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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 6)

Einige Bildwerke stehen sorgsam im Raum verteilt. Zwei ausdrucksstarke Bronze- 
büsten: Bernhard Bleekers Kopf von Richard Riemerschmid mit vorgebäumtem Kinn, 
scharfer Hakennase, nach hinten sich wölbender Stirn unter eigenwilligem Haarschopf 
und gegenüber dieser zuckenden Temperamentsskulptur Fritz Hufs Abbild von Haas- 
Heye, vereinfacht, auf die große Form entrückter Ruhe gebracht, nach innen gewandt, 
mit gesenkten Lidern, von einer bei aller Strenge des Umrisses weichen, man könnte 
sagen buddhistischen Beschauung. 
Eine Anzahl von Plastiken Wilhelm Lehmbrucks, die Steinligur der Badenden, ein 
Torso, Terrakottakopf zeigen die bekannte Manier dieses Künstlers: die gotisch inbrünstige 
Streckung der Glieder, als sollte das Gefängnis des enggebundenen Leibes gesprengt 
werden, die seelische Durchdringung und Überwindung von fleischlichem Stoß" und Maß 
und dazu wie bei den Gotikern der entschiedene Stilisierungswille, der nicht äußere 
Ähnlichkeit oder Naturnachahmung erstrebt, sondern die Leiber als architektonischen 
Aufbau ansieht und sie dem eigenen Kunstgesetz unterordnet. Mit kluger Erkenntnis ward 
dies hier betont. Diese Skulpturen stehen nämlich hier im vollen Hutenden Schein der 
Atmosphäre, die vom Pariser Platz zum Tiergarten durch die zweifrontigen Fensterwände 
dieses Hauses ihre Wellen schwingt. 
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Solch schmiegenden Zusammenklang von Werk und Rahmen wie in dieser Wohnung 
empfand ich selten in einer öffentlichen Ausstellung. 
Dies von alter Kultur erfüllte Haus mit seiner einzigen Lage ist aber auch - das sei 
zum Schluß verraten - eine geprägte Stätte. Es ist Geburts- und Wohnhaus von Max 
Liebermann. Steigt man durch das turmartige Treppenhaus mit der gläsernen Stern- 
wartenkuppel die breit gewundene Treppe herauf, so grüßen an den Wänden als Zeichen 
seines Reiches ein großer Manet, ein rotröckiger Reiter auf grünem Waldpfad und Menzel- 
Zeichnungen. 
Und schaut man danach von der Charlottenburger Chaussee Abschied nehmend 
zurück, so erblickt man auf dem Dach benachbart der Viktoria Schadows auf dem Sieges- 
wagen mit vom Eisernen Kreuz gekrönten Lenkerstab das Atelier des Meisters in freier 
Luft. . . . Auch ein Treibhaus der Natur. . . . 
LTE KUNST IN BERLINER PRIVATSAMMLUNGEN. Für das 
Rote Kreuz taten sich Berliner Privatsammlungen auf und liehen ihre besten Stücke 
her, die nun bequem und übersichtlich in einer Ausstellung bei Cassirer zu sehen sind. 
Der Generaldirektor von Bode und der Direktor des Kupferstichkabinetts Max j. Fried- 
länder brachten diese Auslese zustande, und Dr. Alfred Gold traf geschmackvoll die 
Anordnung. 
Die Niederländer sind vor allem gut vertreten. Rembrandt erscheint hier mit den 
mannigfachsten Gesichten. In eine Reihe Handzeichnungen (Sammlung Markus Kappel 
und Frau Strauß-Negbauer) versenkt man sich, beseelte Gliedersprache zu studieren und 
naehzuemplinden, wie ein Meister den Tumult irdischen Geschehens mit beschwörendem 
GrilTe händigt. Das kleine, von der Heydt gehörende Bild Petrus unter den Knechten des 
l-Iohenpriesters schwebt in dämmernder Transparenz des Lichtes, ein schimmerndes 
Nachtstück. Das Damenbildnis aus selbigem Besitz gleicht in der Lieblichkeit des Oval- 
antlitzes und dem zarten Schmelz von Milch und Blut, gehoben durch zierhaft duftigen 
Spitzenkragen, der Frau Else Heims-Reinhardt. Der „Greis" (Sammlung Koppel) funkelt 
von Weingeist. Dies alte lebensfurchige Gesicht in weißbuschigem Haar, von grauem 
Vollbartgesträuch umwachsen, steht mit seiner frohdrallen Becherfarbe in einem vom 
Bacchus gesegneten letzten Sonnen-Untergangs-Schein. 
Und danach Rembrandts Selbstporträt von x655, 49 Jahre alt, 14 Jahre vor dem 
Tode, ein herber Kopf im Barett, um den Mund die Bitternis der Erfahrung, im Auge den
	        

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