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Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 9)

Johann Oertel 8: Co. und Karl Schappel auf das lebhafteste unterstützt und 
gefördert. Die künstlerische Führung der Fachschule Haida ist von schönsten 
Erfolgen begleitet. 
Diese beiden Arbeitszentralen Haida-Steinschönau, die in den ältesten 
Zeiten böhmischer Glasmacherkunst eine so wichtige Rolle spielten, sind auch 
heute noch die Brennpunkte der Betriebe und des Vertriebes. Sie sind neuer- 
dings wieder von Anregungen und fruchtbringenden Impulsen bewegt, die 
von den Staatsinstituten gefördert werden. 
Die reizvollen alten Straßen der nordböhmischen Glasmacherstädtchen, 
die in ihrer intimen und anmutigen Bauart treffliche Reste einer guten bürger- 
lichen Bautradition aus dem XVIlI. Jahrhundert aufweisen, lassen den Wohl- 
stand, der einst vom Glase ausging, erkennen. 
Sie sind das Bild jener Einheitlichkeit, in der früher Leben und Arbeit 
sich abspielten und ihren äußeren Rahmen schufen. Der Besitz des eigenen 
Heims krönte die sichere Laufbahn. Heute arbeiten die kleinen Meister mit 
den von ihnen abhängigen I-Ieimarbeitern oder Einzelbetriebe unter kräf- 
tigerem Zusammenschluß großangelegter Verlagsbetriebe und Auftraggeber, 
Fabrikanten. Einst sind auf Karren oder mit zahlreichem Fuhrwerk die 
schönsten Erzeugnisse in die weite Welt gewandert. Schon 1780 beschäftigte 
ein Steinschönauer Fuhrmann 50 Paar Pferde, als man in Lissabon und 
Oporto ebenso wie in Moskau und in Petersburg nordböhmische Arbeiten 
verkaufte, als Rautenstrauch und 
als Kreybich Europa bereisten, 
um für böhmisches Glas Absatz- 
gebiete zu erschließen, fremden 
Geschmack zu studieren und hei- 
mische Leistungen zu verbreiten 
verstanden, die Werkzeuge und 
Verfahren auf das vollkommenste 
zu entwickeln vermochten. 
In jener Zeit entstanden die 
so eigenartigen Betriebseinrich- 
tungen, welche der Glasmacherei 
eine teils künstlerisch, teils wirt- 
schaftlich entwickelte Organisa- 
tion gaben. Wenn man weiß, 
durch wie viele selbständige Hän- 
de ein Kunstglas wandert, bis alle 
Veredlungs-undSchmuckarbeiten 
durchgeführt sind, wenn man 
beobachten kann, wie viel aus 
Ausstellung österreichischen Kunst- und Exportglases im eigenem de)" einzglne Hilfsafbei- 
Österreichischen Museum. Friedrich Pielsch, Steinschönau, - . - - 
Blurnengefäß, man weiß mit Gold, Entwurf der Fachschule ter hlnzutun kannl Wall er In Sel- 
inSteinschönau nem Spezialgebiet eine in sich 

	        

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