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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 10)

schwachem Relief Andeutung eines I-Iohlweges mit Fliehenden und Ver- 
folgenden. 
Gewisse technisch-stilistische Eigentümlichkeiten sind beiden Reliefs 
gemeinsam. Da ist zunächst die scharfe Behandlung der Formen zu nennen, 
die mit dem energischen Leben der Komposition im Einklange steht; reiche 
Gravierung bedeckt die Rüstungen, die Gewänder und die Geschirre der 
Pferde. Von den fast vollligurigen Gestalten des Vordergrundes geht der 
Künstler allmählich über zu dem fast nur ziselierten Flachrelief des Hinter- 
grundes. Die Art, wie Verkürzungen zum Beispiel der Pferde aufgesucht 
werden, wie ferner die Handlung durch einzelne herausgegriffene Figuren 
charakterisiert und das andere nur summarisch angedeutet wird, die deko- 
rative Verwertung der Lanzen im Hintergrunde, die fast an das berühmte 
Bild von Velasquez „Las Lanzas" erinnert, endlich die Behandlung der 
Augen, der Nasen, der Roßschweife und dergleichen mehr ist beiden 
Reliefs gemein und bringt sie zugleich in engsten 
Zusammenhang mit einer Reihe verwandter Ar- 
beiten, vorwiegend in österreichischen Museen, 
die man früher als Arbeiten Alexander Colins 
bezeichnet hat, während jetzt wenigstens für einige 
von ihnen die Autorschaft des Ignaz Elhafen doku- 
mentarisch sichergestellt ist. Es handelt sich da 
zunächstum zwei Holzreliefs im „Ferdinandeum", 
deren eines ganz und gar in der Weise unserer 
Reliefs die Berennung einer festen Stadt darstellt, 
während das andere im wesentlichen Teil seiner 
Komposition, das ist also in der Gruppe der drei 
Vordergrundfiguren, mit unserer Arbeit geradezu 
identisch ist und sonach ohne weiteres als eine 
Darstellung der Gefangennahme König Franz I. bei 
Pavia gedeutet werden darf (abgebildet bei H. Sem- 
per, „Neues über Alexander Colin", mit 5 Tafeln, 
Zeitschrift des Ferdinandeums, II. Folge, 40. Heft, 
Seite x 33 f.). Schon Semper hat die stilistische Ver- 
wandtschaft der beiden Innsbrucker Schlachtenre- 
liefs mit den Zedernholzreliefs in den kunsthistori- 
schen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhau- 
ses (Nr. 3932 und 3936) erkannt, die ein antikes Rei- 
tertreffen und eine Amazonenschlacht darstellen?" 
Sie sind etwas breiter, aber niedriger als die Linzer 
Reliefs und gelten heute nicht mehr als Arbeiten 
Alexander Colins, sondern als Werke des Ignaz 
Elhafen, dem mit Sicherheit die in kastenartige 
Abb. 20. St. Johannes der Evan- 
gelist, Buchs, italienisch, Ende des " Für die gütige Vermittlung der Photographien bin ich Herrn 
XVLl. Jahrhunderts Dr. Hermann Julius Hermann zu Dank verpflichtet.
	        

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