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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 10)

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Sammlung hervorgehoben. Ein kreisrundes Medaillon (Kelheimer Stein, 
Durchmesser 4-3 Zentimeter) zeigt die Züge der Kaiserin Maria, Gemahlin 
Kaiser Maximilians II., und deckt sich völlig (auch im inschriftlichen Teil) 
mit dem Revers der signierten Bronzegußmedaille auf den Kaiser und 
die Kaiserin aus dem Jahre 1575 von Antonio Abondio, der auch als ein- 
seitiger Bronzeguß vorkommt (Abb. 34). Die Kaiserin ist mit einem hauben- 
artigen Kopftuch, dem hohen gefältelten Kragen und im pelzverbrärnten 
Mantel im Profil dargestellt. Das Ausmaß der Medaille ist übrigens nicht 
unerheblich größer (5-6 Zentimeter) als das unseres Medaillons. Ob wir in 
ihm eine Originalarbeit Antonio Abondios erblicken dürfen, was durch die 
zierliche Feinheit der Ausführung nicht unwahrscheinlich gemacht wird, 
wage ich nicht zu entscheiden. 
Das Brustbild einer Äbtissin, in weißem Wachs auf eine kreisrunde 
schwarze Schiefertafel appliziert (Durchmesser I0 Zentimeter), wirkt durch 
die rücksichtslos realistische Darstellung des Kopfes und durch den weichen 
Schatten, den das stark unterhöhlte Kopftuch auf das Antlitz wirft (Abb. 35). 
Wir haben vermutlich eine deutsche Arbeit des XVII. Jahrhunderts vor uns. 
Deutschen Ursprungs dürfte wohl auch das liebenswürdige Brustbild (Wachs, 
polychrom, auf kreisrunder, schwarzer Schiefertafel, Durchmesser 6 Zenti- 
meter; Abb. 36) einer jungen Blondine mit einem blauen Seidenband im frei- 
wallenden Lockenhaar und im tiefausgeschnittenen, von Spitzen umsäumten 
himmelblauen Miederleibchen sein (um 1770-1780). Graf Ludolf hat es aller- 
dings als das Brustbild „einer spanischen Prinzessin" erworben. 
 
WIENER ARBEITEN IN RUSSISCHEN 
MUSEEN S0- VON JULIUS LEISCHING- 
BRUNNEIP 
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US der Reihe durchaus nicht seltener Arbeiten 
österreichischer Herkunft, die man im öffentlichen 
und privaten Besitze Rußlands antrifft, seien zu- 
nächst einige bisher unbekannt gebliebene genannt, 
die ich in Petersburg fand. 
1. Der hier (Abb. I) abgebildete Deckelkrug aus 
vergoldetem Silber ist Wiener Arbeit des ausgehen- 
den XVI. Jahrhunderts und gehört dem Stieglitz- 
Museum in Petersburg. Seine schwach konisch 
ansteigende Wandung trägt in kräftiger Treib- 
arbeit drei eirunde Figürliche Darstellungen und dazwischen symmetrisches 
Rankenwerk mit Vasen, Blüten und Fruchtgehängen; am sockelartig 
profilierten Fußrand einen Eierstab. In den drei Feldern steht in feiner Hacher 
Arbeit je eine weibliche Gestalt in einer Landschaft mit Kirchtürmen und 
I-Iäusern, darüber in der Umrahmung eine Maske. Auf dem gewölbten Deckel
	        

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