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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 11)

Übertragung des Kreuzes in die Kapelle und der Bestätigung der Übernahme 
in diese ein halbes Jahrhundert oder vielleicht noch mehr veriiossen wäre; 
das Wahrscheinlichere ist jedenfalls, daß die Übertragung des Kreuzes und 
der weiterhin im Jahre 1751 genannten Gegenstände nicht allzulange vor 
der Bestätigung, vielleicht bei der Erneuerung der Kapelle im Jahre 1748, 
erfolgt ist. 
Zum ersten Male, so viel wir uns erinnern, erscheint das heute über 
dem Altare befindliche Kreuz oder ein ganz ähnliches an derselben Stelle 
auf einem Stiche des Jahres 1788, der die Vermählung des Erzherzogs 
(späteren Kaisers) Franz mit der Prinzessin Elisabeth von Württemberg 
darstellt (Abb. n). 
Hier sehen wir das Kreuz bei einer festlichen I-Ierrichtung des Raumes 
unter einem Baldachin, dessen Rückwand beinahe das ganze Fenster hinter 
dem Altare verdeckt; doch ist es so jedenfalls besser untergebracht als heute. 
Aber vielleicht gab diese gelegentliche Verwendung (oder der Stich darnach) 
die Veranlassung, eine ähnliche Anbringung des Kreuzes später endgültig 
durchzuführen, mag das Kreuz inzwischen in der Kammerkapelle gewesen 
sein oder nicht. 
Es ist also keineswegs unwahrscheinlich, daß sich in der Hofburg- 
kapelle zuerst ein (vielleicht hölzernes) Kreuz seitlich vom Altare befand und 
dort seit der Zeit Ferdinands III. stehen mochte. Sicher finden wir - so 
merkwürdig dies auch vom liturgischen Standpunkte aus erscheint - dort 
eines im Jahre 1705." Wenn dieses seitliche Kreuz aus Holz war, so mag es 
beim Umbau der Kapelle und der Altäre unter Kaiserin Maria Theresia 
durch ein metallenes aus der Schatzkammer ersetzt worden sein. Daß ein 
solches metallenes Kreuz neben dem I-Iochaltare stand, ist, wenigstens für 
das Jahr 1751, wieder urkundlich erwiesen. Im Jahre 1788 wird dann 
anscheinend dasselbe Kreuz bei einer gelegentlichen Festdekoration über 
dem Hauptaltare verwendet, und mindestens seit der Zeit um 1830 ist es dort 
dann dauernd aufgestellt, wenn auch recht unorganisch und nur mit 
ziemlich rohen Mitteln angebracht. "i In der Zwischenzeit könnte es auch in 
der Josephs- (Kammer-) Kapelle aufgestellt gewesen sein. 
Vieles spricht jedenfalls dafür, daß das heute über dem I-Iochaltar 
befindliche Kreuz das der Schatzkammer entnommene ist, und dann ist es 
eben das von Känischbauer ausgeführte. Über den Urheber desEntwurfes und 
des Modells ist, um es zu wiederholen, damit jedoch nichts Bestimmtes gesagt. 
Wir erkennen aus unsern ganzen Betrachtungen aber wieder, wie 
schwierig es oft gerade bei näherliegenden Zeiten ist, zu wirklicher Klarheit 
zu gelangen. Manchmal kann man, wie bei der besprochenen Taufmedaille, 
' Auf dem Stiche vom Jahre r7o5 ist kein eigentliches Altarkreuz zu sehen. Sollte das seitliche Kreuz 
als Ersatz dienen? - Zu dem Altarkreuze vergleiche auch: Cöl. Wolfsgruber „Die k. und k. Hofburgkapelle" 
(Wien 1905), Seite 25x}. 
" Es steht hinter dem Altartische, hinter dem noch ein schmaler Durchgang vorhanden ist, auf einem 
breiten wandartigen Holzsockel, wie zufällig. darauf. Besonders unvermittelt wirken die eisernen Bänder in der 
Fortsetzung des Querarrnes.
	        

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