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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 11)

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Wir wissen somit auch nicht, ob die Medaille von dem Ehepaare 
Känischbauer gewählt wurde, weil sie für die Namen „Maria Barbara" so 
gut paßte, oder ob Gennaro sich aus irgendeinem Grunde veranlaßt sah, 
das Stück mit Rücksicht auf die Gattin des berühmten, in Hof- und 
Künstlerkreisen wohl einflußreichen, Kammergoldschmiedes und Schatz- 
kammeradjunkten besonders auszuführenf 
Kurz abtun wollen wir hier zunächst den in der Umschrift genannten 
Namen des Täuflings. Den Träger dieses Namens festzustellen, ist wohl 
sehr schwer, aber auch ziemlich belanglos, da es sich anscheinend 
um keinen damals berühmten Namen handelt. Wenn wir die früher 
übliche weibliche Endigung des Familiennamens weglassen, so kommen 
wir auf „]ordon", was an sich sehr unwahrscheinlich klingt und 
nur durch die süddeutsch-österreichische Aussprache als „]ordan" zu 
erklären ist. 
In den „Hoff-Protocollen und kays. Resolutionen in Parthey-Sachen" 
[im k. und k. I-Iaus-, Hof- und Staatsarchiv) finden wir nun im November des 
Jahres 1713 (Band 1713-17, Bl. 4) einen „Attilio jordann, Leib-Laquay" 
erwähnt, der „alss mit Ihro mayest. der regierenden Kayserin letzt. aus 
Spanien gekommene[r] Leib-Laquay" von neuem „confirmirW (das heißt im 
Dienste betätigt) wird. Am 23. Juli 1716 (ebenda Bl. 547) hören wir dann von 
einem „Iohann jordann, neuaufgenohmeneh] Leib-Laquay". Viel später, im 
Jahre 17 39," ist dann von einem Anton Jordan die Rede, der als „vormahliger 
Fourir Unter dem Kays. Althanschen Regiment" bezeichnet und mit einem 
andern zusammen „anstat zweyer zu dienen ohnfähigen Kays. arcieren" 
(Hatschieren) aufgenommen werden soll. 
In diesen Kreisen haben wir vielleicht die Eltern des Patenkindes 
unseres Hofgoldschmiedes zu suchen. Es scheint uns dies nach dem, was 
wir über die Gattin Känischbauers finden konnten und im weiteren berichten 
werden, noch wahrscheinlicher. 
Bei einem Gesuche vom 1. Oktober 1722 (a. a. 0., Band 1718_22, 
Bl. 591) heißt es nämlich: „Der verstorbenen Kays. Hof-Zuckerbacherin 
Maria Beckerin Hinterlassener dreyen Töchter Barbara Kanischbauerin, 
Sabina Catharina Auerin, vnd Eva Sabina Schmidin alle gebohrene Marzanin 
confirmation. Bey der Lieferung der Beschau Confecturen [Schaugerichte], 
vnd des eingcmachtens".""'"" 
„Die supplicirende drey Schwestern" werden darnach wiederbestätigt; 
aber nur die älteste „Barbara Kanischbaurin" erhält das Recht, den „Titel 
kaiserl. HojT-Zuckerbacherin zuführen". 
i" Oder wenigstens eine Seite zu ergänzen, falls die andere schon vorhanden war. Man kann wohl auch 
annehmen, daß mehrere Exemplare geprägt wurden, da das Ehepaar ja öfter in die Lage kommen konnte, eine 
Patenstelle zu übernehmen. Daß einstweilen nur ein Stück nachweisbar ist, wird niemanden verwundern, der 
weiß, wie wenig altes Silber sich durch die großen Krisen des XVIII. und des beginnenden XIX. Jahrhunderts 
hindurch erhalten hat. 
" A. a. 0., Jahrgang 1739- 412, Bl. 130. 
f" Die drei genannten Töchter stammen wohl aus einer früheren Ehe der Maria Becker mit irgendeinem 
Manne namens Marzan oder Marzano.
	        

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