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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 12)

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Tautenhayn, der um 1830 aus Sachsen nach Wien gewandert ist, hat sich 
hier als Graveur betätigt, wenn auch auf Amtsstempel, Gravierungen für 
Buchbinder und Typen für orientalische Druckwerke beschränkt. Von seinen 
beiden Söhnen wurde Hermann, der jüngere, Steinbildhauer und Josef, der 
ältere, zum Begründer der Wiener Medailleurschule. Auch im dritten Glied 
kehrt nun diese Veranlagung wieder. 
Josef der Jüngere hat zuerst die k. k. Kunstgewerbeschule besucht und 
sich zugleich bei seinem Vater in der Wachstechnik, im Gravieren und 
Ziselieren geübt. Denn der Münzenschneider bedarf des festen Grundes kunst- 
handwerklicher und technischer Durchbildung; mit dem Modellieren allein 
ist es da nicht getan. Auf der Akademie, zuerst an der Spezialschule für 
Graveur- und Medailleurkunst neben Rudolf Marschall und Franz Pawlik 
unter der Leitung Tautenhayns des Vaters, dann als Schüler Edmund 
Hellmers an der Bildhauerschule, hat Josef 
Tautenhayn der 
Sohn den Über- 
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gewonnen, zum 
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gute kam, und da- 
mit Hand in Hand zu einer mehr malerischen Auffassung nach dem Vorgange 
der Pariser Medailleure. Weithin bekannt gewordene Bildnismünzen (Anton 
Bruckner, Propst Kerschbaumer, I-Iutterstrasser, die Ehepaare Schuster von 
Bonnott und Eisl, Alfred Grünfeld) haben ihm auch für Riga einen Auftrag 
eingetragen, dessen Erfolg um so bemerkenswerter war, als es dabei galt, die 
Züge eines Verstorbenen, dem Künstler persönlich Unbekannten festzuhalten. 
Gerade an dieser Schaumünze auf den Balten Dr. Buchholz bewährte 
sich aber auch, als väterliches Erbteil, der strenge Stil idealisierender Alle- 
gorie: in der Gestalt eines Geharnischten, der die Rückseite der Münze ziert. 
Schon 1903 hatte Tautenhayn der Jüngere für den Wiener Friedenskongreß 
eine Plakette ausgeführt, deren Sinnbild - die aufragende Gerechtigkeit, auf 
deren Wagschalen der Friedenslorbeer schwerer wiegt als das Schwert der 
Zwietracht - von der Weltgeschichte allerdings indessen Lügen gestraft 
worden ist. Dafür bewährt sich aber gerade in diesen Tagen die für unser 
Vaterland ganz unschätzbare Bedeutung zweier anderer in Plaketten seiner 
Hand gefeierten Ereignisse: der Durchschlag des Wocheiner Tunnels und 
"UWE"! WELDE 
-: ri. 
Helene Schulz: Erzherzog Friedrich 

	        

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