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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

wegen der Anfangsbuchstaben allenfalls an den späteren König Anton 
von Sachsen und Erzherzogin Maria Theresia denken, die sich 1787 
vermählten vielleicht auch an Therese Maria Anna, eine Tochter des Kur- 
fürsten Friedrich Christian (geboren 1761, gestorben 1820)." Doch wäre dies 
wohl ein sehr später Termin, wenn an der Arbeit selbst auch manches für 
Sachsen spräche. 
In die Textilgruppe fällt dann noch die Schenkung Seiner Exzellenz des 
Herrn Generals der Kavallerie Rudolf Ritter von Brudermann: ein großes 
hemdartiges Gewand aus Diinnstoff (Alba?) mit reicher Gold- und Silber- 
stickerei von eigentümlich fremdartiger, Europäischem aber auch wieder 
verwandter Formengebung; es handelt sich wohl um eine inselgriechische 
Arbeit des XVIII. Jahrhunderts. Bei der Wichtigkeit der orientalischen 
Kunst für weite Gebiete Österreich-Ungarns ist jede Bereicherung unserer 
Sammlung in dieser Hinsicht für uns von Bedeutung. 
Mit der Schenkung des Herrn Oskar Bondy in Wien, die auf Seite 116 
abgebildet ist, gelangen wir auf ein ganz anderes Gebiet der Kunstbetätigung. 
Das als Werk Mauchs geltende Stück gehörte jedenfalls einem sogenannten 
„Sippenaltar" an, wovon uns Julius Baum in seinem Buche „Die Ulmer 
Plastik um 1500" und Marie Schuette in ihrem Werke „Der schwäbische 
Schnitzaltar" verschiedene Beispiele bringen. Wir erwähnen diese Veröffent- 
lichungen, weil uns die ganze Erscheinung des Reliefs sofort auf schwäbische 
Arbeiten hinzudeuten scheint; eine nähere Bestimmung wagen wir persönlich 
nicht, um so weniger, als selbst Baum (a. a. 0., Seite 105) auf die fast 
unüberwindliche Schwierigkeit bestimmter Zuweisungen in jener Schaffens- 
frohen und kunsterfüllten Epoche und Gegend hinweist. 
Unter den verschiedenen Gaben des Herrn Alfred Walcher von 
Molthein wäre hier besonders die Flötnersche Bleiplakette (Abbildung auf 
Seite 117) hervorzuheben. Sie stellt die sogenannte „Kleinere Versuchung des 
Glaubens" dar, die Konrad Lan- 
ge in seinem .,Peter Flötner" 
(Berlin, 18g7,Tafel XI,Abb. 1 16) 
unter den unbedingt sicheren 
Arbeiten des Meisters aufzählt 
und zur Darstellung bringt. Je- 
der Kenner weiß, welche Be- 
deutung die Specksteinmodelle 
und Güsse danach für die Gold- 
"' Auf letztere Möglichkeit hat uns Herr 
Direktor Dr. Karl Berling in Dresden gütigst 
aufmerksam gemacht. - Es sind noch einige 
zugehörige Stickereireste erworben worden, 
die nufeine größere Ausdehnung der ursprüng- 
lichen Arbeit hindeuten; auch sind die Quer- 
enden des abgebildeten Stückes oben und unten 
heute nachträglich angesetzt. Die Ausdehnung Peter Flötner, die sogenannte „Kleinere Versuchung des 
des abgebildeten Stückes war ursprünglich Glaubens", Bleiplakette, wirkliche Größe. Aus der Schenkung 
nach oben und unten gewiß größer. des Herrn Alfred Walcher von Molthein 

	        

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