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Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

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stetes Erscheinen zu charakteristischen Merkmalen verdichteten. Auf 
diesem Wege erhielten Frankreich, England, Deutschland, Italien, 
Spanien u. s. w. ihre nationale Heraldik, aber wie es im Leben geht, 
wo das Obenstehende auch einmal 
nach unten kommt und umgekehrt, so 
ging es auch hier. Die französische 
Heraldik, sicherlich die Mutter aller 
übrigen, hat wie auf so manch anderem 
Gebiete, ihre dominirende Stellung ver- 
loren und zählt nicht mehr, dafür Fis- nPelu Fis- mEiwlhßl 
schreiten jetzt England und Deutsch- 
land voran, ein merkwürdiges Zusammentreffen, da die beiden auch 
auf culturellem und politischem Gebiete die Führung unverkennbar 
übernommen haben. 
Wenn man die Erzeugnisse der I-Ieroldskunst der verschiedenen 
Länder näher ins Auge fasst, wird man bald die interessante Ent- 
deckung machen, dass in den Wappenbildern in ganz auffälliger 
Weise sich die typischen Eigenschaften, sowohl die guten, wie die 
minder guten der betreffenden Nationen widerspiegeln. Das steif- 
leinene, starr conservative, wenig graziöse Wesen des Briten findet 
sich ebenso in seinen Wappen vertreten, wie seine besseren Eigen- 
schaften. Die englische Heraldik besitzt einen grossen Motivenschatz, 
sie ist wohlgeordnet und erreicht vollkommen das Ziel, das ihr 
gesteckt wurde. Sie ist in künstlerischer Beziehung allerdings weniger 
freibeweglich wie die deutsche, weil ihr in dieser Beziehung noch 
sehr stark das Zöpfchen nach hinten hängt, aber 
sie bietet dem Kunstgewerbe durch den Besitz 
der Badges oder Erkennungszeichen und der oft 
als solche dienenden vom Helme losgelösten 
Crest's oder Kleinoden ein bildsameres, sich allen 
Formen leichter anpassendes Materiale, als 
dies zum Beispiel die deutschen Wappen ge- 
währen können. 
Nachdem nun einmal der Brite im Bezuge 
auf Stil und Decorationsart derzeit das erste 
Wort erhalten hat, dürfte es vielleicht für uns m; Lmgms Professorof 
nicht so ganz ohne Nutzen sein, wenn wir auch I-Iw 
dem britischen I-Ieroldskünstler etwas auf die 
Finger sehen wollten. Es ist selbstverständlich nicht die Absicht des 
Schreibers dieser Zeilen, hier eine detaillirte englische Wappenlehre 
zu bieten, bei ihrer Complicirtheit würde ein ganzer Jahrgang dieser 
 
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