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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

GESCHENKE ZUM JUBILÄUM DES MUSEUMS 
VON MORITZ DREGER-WIEN S0 
IE Fünfzigjahrfeier des Österreichischen Museums hat 
manchem Kunstfreunde Anlaß geboten, seinen 
Gefühlen durch Erinnerungsgaben werktätig Aus- 
druck zu verleihen. Und was den Geschenken noch 
besonderen Wert gibt, ist die offenbare innere 
Anteilnahme der Spender. Man hat in den letzten 
Jahren wieder viel über die „Kunst des Schenkens" 
philosophiert. Ein Geschenk bildet ja ein Band 
zwischen dem Geber und dem Beschenkten. Um 
wie viel wärmer berührt und wie viel fruchtbarer 
wirkt eine Gabe, die nicht gleichgültig dargeboten, 
sondern mit Liebe ausgewählt ist. Wir wissen zufällig von manchen der 
gespendeten Stücke, wie der Besitzer einer bewunderten Sammlung gerade 
die ausgewählt hat, die nach seiner Meinung unserem Museum besonders 
erwünscht sein mußten. Und es sind wirklich nicht nur ausgezeichnete und 
wertvolle, sondern gerade für uns höchst bedeutungsvolle Werke. Ein anderer 
Kunstfreund, dessen Sammlung gerade auf kunstgewerblichem Gebiete 
nicht so umfangreich, aber doch reich an schönen Stücken ist, gestattete 
uns wieder, etwaszu wählen, was uns besonders gelegen käme. Andere 
wieder gewährten uns die Geldmittel, um Stücke zu erwerben, die uns 
besonders am Herzen lagen. 
Wie man aus dem folgenden kurzen Bericht ersehen wird, konnte so 
manche Lücke unserer Sammlung ausgefüllt und manche glückliche Erwei- 
terung vorgenommen werden. Und die Teilnahme unserer Freunde breitete 
sich sichtlich immer mehr aus. Leider traten da mit dem furchtbaren 
Ereignis von Sarajevo jene gewaltigen Umwälzungen ein, die gerade die 
Gedanken von Wohltätern in andere Richtung lenkten. Diese Ereignisse 
haben uns bis jetzt auch verhindert, den bisherigen Spendern hier den Dank 
auszusprechen; wir wollen es auch jetzt nicht durch preisende Worte tun, 
sondern durch einen schlichten Hinweis auf die Gaben. 
Unsere Sammlung antiken Kunstgewerbes konnte nach zwei Seiten hin 
eine wesentliche Ergänzung erfahren. Es geschah dies durch die Schenkung 
des Herrn Fabriksbesitzers Wilhelm Sgalitzer, der einen großen Teil der 
bekannten Sammlungen des Malers Ludwig Hans Fischer erworben hatte 
und nun eine Reihe antiker Gefäße sowie zahlreiche kunstgewerbliche 
Kleinarbeiten aus Metall dem Museum zuwies. Ludwig Hans Fischer, der 
vorzügliche Aquarellist, der die Motive seiner Bilder so häufig dem Süden 
und dem Oriente entnahm, hat auf weiten Reisen in Italien, Griechenland, 
Ägypten und dem weiteren Morgenlande mit großem Verständnis und 
sicherem Samrnlerblicke gleichsam nebenbei eine Fülle alter Kunstwerke 
zusammengebracht; anderes wieder führte ihm der Kunsthandel zu, vor 

	        

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