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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

ist ja bekannt. Gerade solche kleine mehr oder weniger ligurenreiche 
Gesellschaftsszenen sind zum Beispiel von dem Augsburger Stecher Martin 
Engelbrecht und seinem Nürnberger Kollegen Johann Christoph Schmid- 
hamrner bekannt. 
 
GESCHICHTE DER GARTENKUNSTX 50 VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN S0 
IE Kunstgeschichte des Gartens ist nicht bloß ein 
großes, besonderes Kapitel der allgemeinen Kunst- 
geschichte. Weil im Gartenbau die menschliche 
Schaffenskraft in das Walten der Natur unmittel- 
barer eingreift, natürliche Gebilde viel unver- 
änderter verwertet als dies auf irgendeinem 
andern Gebiete der künstlerischen Betätigung 
geschehen kann, darum drückt sich im Garten 
das Verhältnis des Menschen zur Natur viel 
deutlicher aus, wir kommen hier den Quellen des 
künstlerischen Schaffens viel näher als ander- 
wärts. So bietet dieses scheinbar begrenzte Gebiet einen weiten Ausblick in 
allgemeine Beziehungen des geistigen und des Gefühlslebens jener Epochen, 
welche sich künstlerisch produktiv betätigt haben. Das gesellschaftliche 
Leben findet im Garten einen künstlerischen Rahmen. Die kulturellen und 
manche hohen geistigen Bestrebungen spiegeln sich in seinen Formen. Die 
Dichtkunst knüpft immer wieder an die Gartenkunst an, und sicherlich besteht 
zu allen Zeiten eine Wechselwirkung zwischen beiden Gebieten. Die großen 
Gegensätze der Romantik und des Klassizismus, der Naturparallele und der 
Naturabstraktion kämpfen auch im Gartenbau um die Vorherrschaft und 
wirken in nacheinander folgenden Zeiträumen, bei verschiedenen Nationen. 
Seit einiger Zeit ist in Deutschland und Österreich die Neigung hervor- 
getreten, die künstlerische Seite der Gartengestaltung einem gründlicheren 
Studium zu unterwerfen als dies bisher geschah. Die Gartenliteratur wächst 
auch in deutscher Sprache beträchtlich. Es liegt im Wesen der deutschen 
Gründlichkeit und Systematik, daß auch auf diesem Gebiet nicht nur die 
Propaganda für die Neugestaltung, sondern auch der Rückblick auf die 
Entwicklung des Gartens durch die Jahrhunderte gepflegt wird. Eine solche 
Betätigung bietet schon darum lebhaften Anreiz, weil das Quellenstudium im 
alten Schrifttum, das uns das Bild verloren gegangener Schätze des Garten- 
baues vermitteln soll, gar oft zu den schönsten Werken der Dichtkunst führt, 
zu den größten Denkern. Die königliche Akademie des Bauwesens in Berlin 
hat die Herausgabe einer Geschichte der Gartenkunst durch Marie Luise 
Gothein gefördert, welche nun im Verlage Diederichs, Jena, erschienen ist. 
"f „Geschichte der Gartenkunst" von Marie Luise Gothein. Zwei Bände, 8". Jena, Engen Diederichs, 1914.
	        

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