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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

"nen. Diese Terrassenwände, Treppen, 
und die Gartenanlage unmittelbar Form- 
elemente der antiken Welt aufzunehmen. 
Hier war der schöpferischen Phantasie 
der größte Spielraum gelassen. Es ent- 
stand ein Zusammenwirken der Bau- 
kunst mit der Gartenkunst, das an die 
Blütezeiten klassischer Kunst gemahnt 
und diese oft überbot. 
Denn dem Äußeren des Villenbaues 
war früher nie ein so großer künstleri- 
scher Aufwand zugedacht worden als 
zur Zeit der Renaissance, wo nicht selten 
eine reiche Außenarchitektur an den 
palastartigen Bauten erscheint. Außer- 
dem gab die Vorliebe für hügeliges oder 
bergiges Terrain, für weite Fernblicke 
zumeist Veranlassung, interessante Ter- 
rassenbauten anzulegen, die den alten 
Römern auch wenig erwünscht schie- 
 
Brücke in einem Pekinger Garten (nach Luise 
Gothein) 
Grotten, in Verbindung mit Bassins, 
Wasserfällen und iiguralem Schmuck, gaben das architektonische Element 
der Gliederung, welcher der Hauptbau des Wohnhauses eingefügt wurde. 
Der „Lustgarten" und die Villa ergeben ein Ganzes von künstlerischer Ein- 
heitlichkeit, das nahe den Nutzgärten, Wirtschaftsanlagen oder selbst auch 
waldähnlichenParks H aber abgeschlossen von diesen - zusammengefaßt ist. 
Das Leben im Freien wurde wieder ein geschätztes und wertvolles 
Gegengewicht zum städtischen Leben, und wie einst in Westasien die Fürsten 
ihre Amtstätigkeit gern in ihre Parks verlegten, so waren manche der 
Großen und Mächtigen der Renaissancezeit öfter in ihren Lustgärten als in 
den Innenräumen der Paläste zu treffen. 
Der Renaissancegarten ist der stärkste Ausdruck festlicher Lebensfreude 
und inniger Naturliebe. 
Luise Gothein widmet ihm ein großes Kapitel ihres ersten Bandes mit 
zahlreichen Aufnahmen undsehr instruktiven Grundrissen, die alle wichtigen 
Denkmäler gut illustrieren. Hier zeigt die Autorin das Verständnis für 
architektonisches Schaffen, das für das Verständnis der Gartenkunst eine 
Vorbedingung und Grundlage bildet. 
Sie versäumt auch nicht das erste Auftreten romantischer Einflüsse zu 
erwähnen, das aus der Ruinenverehrung und den antiquarischen Studien 
und Sammelbestrebungen herauswuchs. Während die Renaissancezeit noch 
in ihrem sicheren Gefühl für strenge Gliederung diesen Neigungen nur 
wenig nachgab, sind sie in späteren Zeiten zeitweilig zu einer Gefahr für die 
Gartenkunst angewachsen.
	        

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