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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

Der erste Band des Gartenwerkes zeigt so eigentlich das Wichtigste, 
was über die Grundlage der Gartenkunst gesagt werden kann; mit dem 
italienischen Renaissancegarten wurde ja in der Hauptsache der noch heute 
einHußreichste Höhepunkt der künstlerischen Entwicklung erreicht. Die 
frühen historisch bedeutsamen Perioden haben die Richtlinien der Entwick- 
lung bestimmt, es ist in der Gartenkunst wie in der monumentalen Archi- 
tektur den westasiatischen und südeuropäischen Kulturen beschieden gewesen, 
unverrückbare und oft auch unübertreffliche Grundtypen bis zur hohen 
Vollendung zu führen. 
Allerdings muß das Studium dieser Typen mehr noch wie in der Bau- 
kunst von literarischen Quellen unterstützt werden, weil ja die Garten- 
schöpfungen vergänglicher als alle andern Kunstleistungen sind. 
Die späteren Epochen hatten nur - um ein Goethesches Wort zu 
variieren - die Gedanken ihrer Vorfahren noch einmal zu denken. Wo sie 
von diesen Richtlinien abwichen - und das geschah in der romantisch 
sentimentalen Periode zu Beginn des XIX. Jahrhunderts und zu Ende des 
XVIII. jahrhunderts - da entstand eine Verirrung und Verwirrung der 
Begriffe. Von unserer modernen Gartenkunst aber muß gesagt werden, daß 
sie eben dadurch weiter zurückliegt in ihrer Entwicklung als andere Gebiete 
der künstlerischen Gestaltungskraft, die heute schon ganz neue und entwick- 
lungsfähige Gestaltungen aufweisen. 
Der zweite Band beschäftigt sich eingehend mit jenen Leistungen der 
Renaissancezeit in Frankreich, England, Deutschland, Holland, die zumeist 
unter dem Einfluß Italiens und auf Grund örtlicher, klimatischer Ver- 
hältnisse und der besonderen künstlerischen Neigungen und Eignungen der 
Völkerschaften entstanden. Naturgemäß bleibt überall der bürgerliche Garten 
mehr von lokalen Traditionen und Einflüssen abhängig als der fürstliche; 
aber eben diesem letzteren, dem vornehmen Prachtstück der Gärtnerei, ist das 
Buch vorwiegend gewidmet; darum treten die internationalen Zusammen- 
hänge im Sinne der allgemeinen Kunstgeschichte dabei in den Vordergrund. 
Die Entwicklung der Prunkgärten im XVII. und XVIII. Jahrhundert, 
die als kräftigster Ausdruck der Periode fürstlicher Selbstherrlichkeit in ganz 
Mittel- und Westeuropa so stark in die Erscheinung treten, ist mit gebührender 
Gründlichkeit behandelt. 
Hier ist eine Fortbildung des Renaissancegartens in die Breite und in 
überraschend großen Dimensionen eingetreten, die dem Aufschwung der 
Baukunst jener Perioden parallel geht. Man muß auch an die westasiatischen 
„Paradiese" denken, wenn man die außerordentlich kühnen und großzügigen 
Schöpfungen der Gartenkünstler der Barockzeit mit früheren Leistungen 
vergleichen will. 
Es ist kaum ein Zuwachs großer neuer Ideen, wohl aber eine äußerst 
kühne und großzügige Fortbildung der gegebenen Elemente festzustellen; 
die Anwendung der architektonischen Gestaltungsweise auf die geschmei- 
digere und bildsamere Vegetation Mitteleuropas ergab die geschnittene
	        

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