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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

gekommen. Schon lange ist das SchaEen einer Wiener Mode die Sorge und der Wunsch 
mannigfaltiger Faktoren. Die Künstler und das Kunstgewerbe haben erfolgreich mitgewirkt, 
um eine ganz bestimmte und ausgesprochen wienerische und künstlerische Note in der 
Frauenkleidung zur Geltung zu bringen. Die auf den Ausstellungen im Österreichischen 
Museum namentlich von der Wiener Werkstätte erzielten Erfolge haben allerdings in 
erster Reihe wieder in künstlerischen Kreisen nachhaltige Wirkungen erzielt; sie repräsen- 
tierten einen sehr selbständigen und fortgeschrittenen Typus, der auch bei der Trägerin 
künstlerische Eigenschaften voraussetzen ließ. Ebenso sind die Entwürfe, welche in den 
Schaustellungen der Wiener Kunstgewerbeschule vorgeführt wurden, naturgemäß auf 
künstlerische Ziele gerichtet, welche immer eine gewisse Begrenztheitder praktischen 
Anwendungsmöglichkeiten in weiteren Kreisen bedingten. In breiten Schichten wirksamer 
war aber der Einfluß der seit langem zur Anwendung gelangenden modernen Stoffe, der 
leichten bedruckten, der schweren gewebten, die, in Farbe und Zeichnung neuartig und 
reizvoll und fast unerschöpflich in der Mannigfaltigkeit der Musterung, immer wieder neue 
Anregungen boten. 
Mit der Ausgestaltung der Innenräume stand ja auch eine Neugestaltung der Wände. 
der Spann- und Möbelstolfe in Verbindung, die ihre Rückwirkung auf die Frauenkleidung 
ausüben mußten. Die ganze Farbenstimmung der Räume veränderte sich, die Farben- 
gebung wurde energischer, eigenartiger, feiner und kultivierter. Auch das farbige Bild der 
Straße hat seine Veränderung erfahren und wie die Modefarben, die Modestoffe der Kleidung 
auf die allgemeine Stimmungsänderung wirkten, so ist auch der Umriß, der Schnitt und 
die Linienführung neu und charakteristisch, ist das Detail der Kleidung ein neuartiges 
geworden. Leider hat aber kein enger Zusammenschluß zwischen den künstlerisch 
anregenden und den produzierenden Kreisen der Mode stattgefunden. Die von Wien aus- 
gehenden Ideen und schöpferischen Leistungen sind oft erst auf dem Umweg über das 
Ausland, insbesondere über Paris nach Wien in die zunächst interessierten Kreise ein- 
gedrungen. Allerdings hat das Ausland dabei keine Verbesserung der Anregungen vor- 
genommen. Die Rolle des Auslandes in dieser Angelegenheit endlich zum Wohle der 
heimischen Produktion, des österreichischen Ruhmes auszuschalten, ist derzeit das eifrige 
Bemühen der leitenden Kreise. 
Es ist eine großzügige Aktion eingeleitet worden, an deren Spitze das k. k. Arbeitsmini- 
sterium steht und welche von dem so vortrefflich geleiteten k. k. Gewerbeförderungsamt 
auf breitester Basis organisiert wurde. Sie urnfaßt ja nicht nur die Modisterei, die Damen- 
und Herrenkleidermacherei, es ist die große Zahl der Hilfsgewerbe, der Posamentierer, 
Band- und Stoffweber, Sticker, Wirker, Spitzenerzeuger, endlich auch der Schmuck- 
erzeugung, Perlarbeiter etc., welche gleichzeitig auf die gemeinsamen Ziele wirksam zu- 
zulenken sind. Gerade in den l-lilfsgewerben ist aber schon am intensivsten vorgearbeitet 
worden. 
Schon in der Weihnachtszeit hat eine kleine Ausstellung im Österreichischen Museum 
für Kunst und Industrie die Handhabe geboten, um die Produzenten der Modegegenstände 
auf die vortrefflichen und noch zu wenig bekannten heimischen künstlerischen Leistungen 
auf dem Gebiete der Hilfsindustrien aufmerksam zu machen und den Kontakt mit den 
zahlreichen künstlerischen Kräften anzubahnen. 
Diese bisher von öffentlichen kunstgewerblichen Ausstellungen bekannten und von 
feiner empiindenden Kunstfreunden so hoch geschätzten Erzeugnisse, deren Fortschritte 
wohl die Kunstzeitschriften registrierten, aber das große Publikum wenig zu bemerken 
schien, haben ganz besonders dazu beigetragen, den Ruf der Wiener kunstgewerblichen 
Kräfte im Ausland auszubreiten. 
Nun gilt es, die Kräfte im eigenen Lande zusamrnenzuschließen und vorerst das 
Vaterland zu gewinnen. Es gilt, die leider so weit verbreiteten und tief eingewurzelten 
Vorurteile für die dominierende Stellung der ausländischen Moden, die durch die raffinierte 
Organisation ihrer Betriebe unterstützt wird, zu zerstören.
	        

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