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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

Diese Kreaturen, die Gäule wie die Männer, schreiten nicht aufrecht, ihre Körper 
sind gekrümmt, zusammengezogen, als müßten sie in sich zusammenbrechen; aber dabei 
scheinen sie dumpf, bewußtlcs doch vorwärtsgeschnellt zu werden, von einer Fußtapfe 
in die nächste des Vordermannes. 
Aus der linken Ecke des Bildes streckt sich das hastende Bein eines Fliehenden in 
die Fläche, vom Rahmen abgeschnitten: Und dies Motiv voll Vorstellungsanregung gibt 
gewissermaßen Vorzeichen und Takt für diese Szene der Flucht. 
a: ar- 
i: 
Eine glückliche Idee der Kriegshilfe für Künstler erfüllte der Salon Gurlitt mit 
seiner Ausstellung deutscher Meister aus Privatbesitz. Alten Böcklins begegnet man 
hier, der noch ziemlich schematischen „Romlandschaft" von 1851, kulissenhaft aufgebaut, 
dann aber dem „Altrömischen Maifest" (1870) in der schweren gedämpften Glut seines 
tiefen glühenden Farbenrausches. Voll lebendiger Einfühlung strotzen auch die „Faune" 
(x884), Elementarwesen, in empfänglichster Stunde aus der Natur crfaßt in blutvollen 
Gesichten. 
Eine reiche Feuerbach-Auslesc fesselt. Man Endet hier den Entwurf zum „Gastmahl 
des Plato" und schmeckt ihn persönlicher als die ausgeführte Dekoration in der National- 
galerie. Am schönsten bleiben seine Harrnonien aus weich verdämmernden Landschafts- 
visionen und traumhaften Frauenerscheinungen. Hier schwingt das Musikalische der 
Feuerbach-Seele. Und in irdisch leibhaftigem Gegensatz hierzu das Selbstporträt mit Hut 
von x847. 
Als Bildner der Umwelt voll Sachlichkeit und spähendem, eigen schauendem Lebens- 
blick in einer konventionellen Zeit treten dann Menzel und Leibl an. 
Nichts ist interessanter, alsjuvenilia von Großen unbefangen zu mustern. Wie tastend 
und unsicher stolpert zum Beispiel der zweiundzwanzigjährige Menzel mit seinem Stück 
von 1837 „Der Feind komm " daher. Als ein ganzes Werk steht dafür das nicht zu sehr 
bekannte Bild „Ländliches Gefolge" da, mit seiner scharfen unbestochenen Charakteristik 
der Leidtragenden in allen äußeren Kummerfalten, und dabei bloßgelegt auf Herz und 
Nieren mit einem durch und durch schauenden Auge. 
Leibl aber erweckt unbeschränkteste Bewunderung mit dem Porträt der „Nichte", ein 
Baumeister der Physiognomie. F. P. 
ÜNCHEN. AUSSTELLUNG VON KRIEGSBILDERN. Die Moderne 
Galerie (Thannhauser) in München veranstaltet, sobald es sich ermöglichen läßt, 
eine große Ausstellung der Gemälde und Zeichnungen, die von deutschen im Felde weilen- 
den Künstlern geschaffen werden. Es wird dafür Vorsorge getroffen, daß nur Kunstwerke 
von solchen Künstlern gezeigt werden, die entweder als Schlachtenmaler sich in einem 
Hauptquartier befinden oder an den Kämpfen in der Front teilnehmen. Eine Ergänzung 
dazu wird eine Auswahl von Photographien von den Kriegsschauplätzen bilden, die 
jedoch nur insoweit aufgenommen werden, als es sich um Aufnahmen von künstlerischem 
Wert handelt. Die Ausstellung Endet zuerst in der Modernen Galerie in München 
(Arcopalais) statt und wird von da ihren Weg durch ganz Deutschland und Österreich- 
Ungarn machen. Die Eintrittsgelder sollen ohne Abzug Vaterländischen Zwecken zugeleitet 
werden. 
ÜSTÜS BRINCKMANN  Am 8. Februar ist justus Brinckmann, der Direktor 
des Hamburgischen Museums für Kunst und Gewerbe, der allverehrte Altmeister der 
Museumsleute, im 72. Lebensjahre plötzlich gestorben. Seit Jahren herzleidend, wieder- 
holt, und so auch, als er zum letzten Male in seinem geliebten Wien weilte, anläßlich der im 
Österreichischen Museum Herbst xgxz abgehaltenen Tagung des internationalen Museen- 
verbandes, von schweren Anfällen heimgesucht, raffte er sich immer wieder auf zu neuer,
	        

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