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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 7 und 8)

scheint Mestrozi in jenen Jahren nicht den Humor gehabt zu haben, sich 
Ìber EnttÀuschungen hinwegzusetzen. 
Man hat die Selbstbiographie Mestrozis wohl ergreifend gefunden. Auch 
uns erschien sie so; aber nicht so sehr, weil beim Tode des Vaters Not 
herrschte; denn daraus haben sich die BrÃŒder mutig herausgearbeitet. So 
etwas wirkt dann eher erhebend. Auch daß ein GeschÀftsmann durch Über- 
arbeitung krank wird, ist eigentlich nicht erschÃŒtternd. Aber wir mÃŒssen 
sagen, daß es fÃŒr uns weniges gibt, was uns einen betrÃŒbenderen Eindruck 
machte, als einen tÃŒchtigen Mann verfallen und die Grenze der ruhigen 
Überlegung  sagen wir  des Erhabenen verlassen zu sehen. 
Es kommt uns allerdings nicht befremdlich vor, daß ein GeschÀftsmann 
jener Tage nicht orthographisch schreiben kann. Wir finden es auch nicht 
lÀcherlich, daß ein Mann, wie er, sich bei seinem steten VorwÀrtsstreben 
wohl ÃŒber manches den Kopf zerbrochen hat, was bei regelmÀßigerer Àußerer 
Bildung viel leichter zu haben gewesen wÀre; wir achten es nur, daß bei ihm 
alles auf Selbstdenken und eigener Erprobung beruhte. Er hatte freilich nicht 
immer den richtigen Maßstab dafÃŒr, daß gewisse Ideen eben in der Luft 
lagen, daß er doch nur Anregungen anderer ausbaute, und daß andere unab- 
hÀngig von ihm auf gleiches oder Àhnliches kommen konnten. Aus all dem, 
aus seiner KrÀnklichkeit und Gereiztheit erklÀrt sich wohl auch eine gewisse 
GehÀssigkeit gegen andere VorwÀrtsstrebende, wie Waldherr und Bausemer 
es waren. 
Wir sagen dies alles natÃŒrlich nicht, um Mestrozi irgendwie herab- 
zusetzen, sondern um sein Bild von den Übermalungen zu befreien, durch 
die er es selbst entstellt hat, um ihm die richtige Stellung in der gesamten 
Entwicklung der Wiener Webekunst zuzuweisen und um diese selbst klarer 
erscheinen zu lassen. 
Erfreulich ist auch, daß durch alle Entstellungen die Gestalt des tÃŒchtigen 
Mannes immer wieder hindurchblickt, ein Typus jener Tage _mit all der 
kleinlich bÌrgerlichen BeschrÀnktheit, aber auch mit wahrem Lebensernste 
und allen hÀuslichen Tugenden. 
Daß Mestrozi die bildende Kunst pflegte (wenigstens durch Beitritt in 
einen Verein) und daß er auch dichterische Versuche unternahm (wenig- 
stens nach dem (Tode des aufrichtig von ihm verehrten Bruders), das ist fÃŒr 
einen geistig angeregten Mann jener Zeit fast selbstverstÀndlich; seine Liebe 
zur Musik mag aber zu seinem tieferen Wesen gehört haben (wie wir schon 
vemahmen, ist einer seiner Nachkommen ja auch von Beruf Musiker 
geworden). Und an seinem Kunstsinne und Geschmack im allgemeinen 
dÃŒrfen wir jedenfalls nicht zweifeln)" 
 Dem x83: gegrÌndeten Vereine zur Förderung der bildenden Kunst trat er sofort bei; auch wurde er 
"bestÀndiges Mitglied des Kirchenmusikvereines zu St. Laurenz im Schottenfelde". Dieser x82a gegrÌndete 
Verein war der erste organisierte Kirchenmusikverein Wiens. Die Schottenfelder Kirche selbst war ÃŒbrigens 
dadurch berÃŒhmt, daß sie mit ihrer 1790 verferÃŒgten Orgel das beste Werk dieser Art in Wien besaß. 
Über den Todestag Paul Mestrozis sind wir leider nicht unterrichtet. Wie uns der hochwiirdige Herr fÃŒrst- 
erzbischöfliche geistliche Rat und Pfarrer von Schottenfeld P. Robert Tursky freundlichst mitteilt, findet sich in 
den Sterbematriken der Schottenfelder Pfarre (bis zum Jahre 1847) kein den Tod Paul Mestrozis betreffender
	        

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