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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 7 und 8)

Die Kette bestand aus Organsin, der Schuß aus Tramaseide. Und an anderer 
Stelle heißt es daselbstzl" "Brillant-Stoffe fÃŒr Kleider- und I-Iutputz mÃŒssen 
zarte Figuren aus der Phantasie haben, eine starke NÃŒancirung thut hier die 
beste Wirkung. Brillant-TÃŒchel mÃŒssen große Phantasie-Blumen, BlÀtter 
oder sonstige Figuren haben, und durch die Bindungen oder Schraffirungen 
sehr auf Effekt getrieben werden."""" 
FÃŒr den Naturalismus der Zeit war dies eine sehr geeignete StofTart. 
Aber auch rein vom Standpunkt der Webekunst aus muß man die „Brillantin- 
stoffe" sehr hoch einschÀtzen. Nicht mit Unrecht sagt Bujatti von ihnen: 
„Wenn schon die Seide    als Königin unter den Textilstoffen gepriesen 
wird, so nimmt folgerecht der Brillantinstoff den Ehrenplatz unter den 
Seidengeweben einßil" 
Man darf eine Periode der Weberei jedenfalls nicht unterschÀtzen, die 
auf einem Gebiete das Höchste erreicht hat. Ja man darf vielleicht sagen, 
daß diese Zeit in der Weberei in mancher Beziehung ebenso "klassisch" 
dasteht wie Gotik, Renaissance oder Rokoko mit ihren Geweben. Denn 
nichts kann als höheres Zeichen der Entwicklung angesehen werden, als 
wenn eine Zeit imstande ist, fÃŒr ihr Wollen nicht nur die eigenartigste kÃŒnst- 
lerische Gestalt, sondern auch die vollendetste technische DurchfÃŒhrung zu 
finden. Die hohen VorzÃŒge dieser Kunst, die enge Verbindung von Technik, 
Material und Form können in den Abbildungen allerdings nur in geringem 
Maße zur Geltung gelangen. 
Übrigens wurden die Brillantinstoffe nicht nur fÃŒr Kleider, sondern auch 
fÌr Zimmereinrichtungen verwendet; so meldet Mestrozi, wie bereits erwÀhnt, 
daß er irn Jahre 1816 fÃŒr das Audienzzimmer Seiner MajestÀt einen grÃŒnen 
Brillantin geliefert habe. 
Gerade auf dem Gebiete der "Brillantstoffe" waren ÃŒbrigens die BrÃŒder 
Mestrozi, wie auch Bujatti (a. a. 0., Seite 130) bezeugt, besonders hervor- 
ragend und es bestand in diesen Stoffen eine solche Nachfrage bei ihnen, 
daß es ihnen kaum möglich war, sie zu befriedigen. 
Übrigens mag manche Wiener Neuheit auch unter falschem Namen 
bekannt geworden sein; so heißt es bei Keeßz-l- „Die im jahre 1820 von 
Griller in Wien erfundenen FederplÃŒsche wurden im Jahre 11822 unter 
dem Namen "Velutins en plumettes" von Lyon auf die Leipziger Michaelis- 
messe gebracht." Also wieder eine Mahnung zur Vorsicht. 
Wenn wir heute im ganzen auch nicht imstande sind, den kennzeich- 
nenden Wiener Geschmack Ìberall nachzuweisen, so können wir in den 
sicheren alten Wiener Erzeugnissen doch unbedingt einen großen Reichtum 
und eine außerordentliche Verfeinerung erkennen und werden bei ihrem 
Studium gewiß heute noch manche fruchtbare Anregung finden. 
 Ebenda, II, Seite 8. 
N Vgl. auch Bartsch, a. a. 0., I, S. x15 B1, ÃŒber die geschichtliche Entwicklung der fÃŒr die Brillantstoife 
verwendeten Maschinen von etwa 1760 bis 7o an. 
F" A. a. 0., Seite x19. 
1' IV, Anhang, Seite 48.
	        

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