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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 7 und 8)

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Abb. 4. Dansk Folkemuseum Kopenhagen, aus Ostenfeld, Ende des XV. Jahrhunderts 
brett, also nicht in ihrer besonderen tektonischen Funktion charakterisiert 
sind. So wird hier der Unterschied zwischen tektonischem und architek- 
tonischem Ornament deutlich: das Ornament dieser Gruppe ist nicht 
tektonisch, das heißt nicht bestimmt durch den Aufbau des Möbels (wie das 
ja dem allgemeinen Charakter der nordischen Möbelkunst entspricht), aber 
es ist architektonisch, es erstrebt, sei es in den Formen, sei es wenigstens 
im Ausdruck, Übereinstimmung mit der gleichzeitigen Architektur. 
Es sei hier eine Bemerkung eingefÃŒgt ÃŒber das Faltwerkornarnent. 
Es scheint mir, daß es in einem Ornament der eben besprochenen Art seinen 
Ursprung hat und dadurch entstanden ist, daß man den durchgehobelten 
Streifen zuerst oben, dann auch unten durch Schnitzerei einen Abschluß 
und zugleich Verbindung miteinander zu geben suchte. AllmÀhlich gewann 
diese Schnitzerei die Hauptbedeutung, wurde reicher und bewegter und 
zwang so die Streifen, mehr hervorzutreten und die SchÀrfe des Profils 
aufzugeben. Wenigstens scheint mir diese ErklÀrung dem Wesen der 
Omamentbildung mehr zu entsprechen als die von Roe (a. a. O. S. 112 ff.) 
und andern geÀußerte, daß das Faltwerk auf die Nachahmung von 
Stoff-Falten zurÃŒckzufÃŒhren sei. Die Ähnlichkeit mit Stoff-Falten zeigte sich 
ÃŒberhaupt erst im weiteren Verlauf des eben geschilderten Entwicklungs- 
prozesses. In der Gotik entstanden und daher oft fÃŒr typisch gotisch gehalten, 
hat das Faltwerk seine eigentliche Ausbildung erst im XVI. Jahrhundert 
erhalten, weil es, als ausgesprochenes FÃŒllungsornament, eine Unterscheidung 
von Rahmen und FÃŒllung voraussetzt. 
Die reinste Ausbildung findet diese Gruppe wohl in einer Truhe im 
Ostenfelder Haus des Dansk Folkemuseum (Abb. 4). Obgleich hier auch 
andere Arten der Schnitztechnik hinzukommen (Kerb- und Mandelschnitt), 
wird der Eindruck doch beherrscht von dem in Linienschnitt hergestellten
	        

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