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fullscreen: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 11 und 12)

schwierigeren Verhältnissen hat die Kunstgewerbeschule während der Kriegszeit ihren 
Rang behauptet und mit zäher Unverdrossenheit an ihren Idealen festgehalten, die nun der 
Verwirklichung doch einigermaßen nähergerückt sind. 
Ich nehme daher die Gelegenheit gerne wahr, um den ausgezeichneten Persönlich- 
keiten, welche diese beiden Institute mit vorbildlicher Eingebung und Berufsfreudigkeit 
leiten und an ihnen wirken, öffentlich den wohlverdienten Dank der Staatsverwaltung als 
der berufenen Vertreterin der Allgemeinheit auszusprechen und der Versicherung Worte 
zu leihen. daß es mir eine Herzenssache sein wird, die mächtigen, bisher nur durch die 
Ungunst der Verhältnisse niedergehaltenen Bestrebungen unseres Kunstgewerbes mit allen 
Mitteln zu fördern. Diese Zusicherung entspringt nicht nur dem warmen Gefühle für 
unsere österreichische Werkkunst und ihre Vertreter, sie ist vielmehr auch ein Ergebnis 
rein verstandesmäßiger Erwägungen. Wir müssen, um über die jetzigen unsäglich 
schweren Zeiten hinwegzukommen, uns zunächst wirtschaftlich aufrichten, wir müssen 
weiter bemüht sein, die schweren kulturellen Einbußen der letzten Jahre wettzumachen, 
und wenn uns dies beides gelingt, dann werden wir auch die uns gebührende politische 
Geltung wieder erlangen. Gerade die kunstgewerbliche Betätigung ist ein Gebiet, auf dem 
wirtschaftliche und kulturelle Bestrebungen und Erfolge parallel nebeneinander einher- 
gehen. Gerade auf diesem Gebiete wird und muß es uns gelingen, friedliche Eroberungen 
zu machen, die große geistige Gemeinschaft früherer Zeiten wieder aufleben zu lassen 
und vor allem den Weg zu den anderen alten Kulturvölkern und ihren geistigen und wirt- 
schaftlichen Zentren zu linden. Hierbei müssen wir allerdings auf die Einsicht und auf ein 
gewisses Gegenseitigkeitsbedürfnis des Auslandes rechnen, denn insolange es uns an der 
nötigen Versorgung mit Materialien und Betriebsstoffen fehlt, kann bei allem Arbeitswillen 
an einen Aufschwung in kunstgewerblicher Hinsicht ebensowenig gedacht werden wie 
in allen industriellen und gewerblichen Belangen. Wohl aber stünde zu befürchten, daß 
das allerwertvollste Kapital, welches wir auf dem Gebiete der Werkkunst besitzen, 
unsere qualifizierte Arbeiterschaft und ihre geistigen Führer, durch Abwanderung dahin- 
schwindet. 
Noch einem Gedanken möchte ich Worte verleihen, Worte, die sich besonders 
an unsere heranwachsende jugend wenden. Es wird heute soviel über die Umwertung 
geistiger und manueller Arbeit gesprochen und geschrieben, die öffentliche Meinung ist 
unter den herrschenden Ausnahmsverhältnissen vielfach zu Fehlurteilen gelangt, die sich 
in mannigfachen wirtschaftlichen und sozialen Übelständen widerspiegeln. Eines steht 
aber jedenfalls fest: Die Tatsache, daß die geistige Arbeit kaum mehr ausreichende 
Existenzgrundlagen bietet, während andererseits die rein manuelle Arbeit dem denkenden 
und strebenden Menschen nicht jenes Ausmaß innerer Befriedigung gewährt, welches die 
Arbeit an sich bieten soll. Es kann kaum eine glücklichere Überbrückung dieses Gegen- 
satzes geben als die kunsthandwerkliche Betätigung, als eine Vereinigung geistiger und 
manueller Arbeit. In ihr kann unsere Jugend das innere Gleichgewicht und ein auskömm- 
liches Dasein, die Vorbedingungen der Lebensfreude, wieder finden. 
Im Sinne dieser Ausführungen erkläre ich die kunstgewerbliche Ausstellung des 
Österreichischen Museums für eröffnet." 
Die Ansprache des Staatssekretärs wurde mit großem Beifall aufgenommen. Sodann 
folgte ein Rundgang durch die reich beschickte Ausstellung, welche ein Bild der hohen 
Leistungsfähigkeit Österreichs auf dem Gebiete der Kunstindustrie und der Kunstgewerbe 
entrollt. Die Ausstellung ist bis 14. März täglich von 9 bis 4 Uhr geöffnet, Dienstag und 
Mittwoch 60 Heller, sonst frei. 
PERSONALNACHRICHTEN. Der Präsident der Nationalversammlung hat am 
23. Dezember vorigen jahres dem Amanuensis am Österreichischen Museum für 
Kunst und Industrie in Wien Dr. Friedrich Schönbach anläßlich seiner Versetzung in den 
dauernden Ruhestand den Titel eines Bibliothekskustos verliehen.
	        

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