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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 1 und 2)

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meister Reichel zu Niemes in Böhmen eine Modelhobelmaschine, die wegen 
ihrer Brauchbarkeit viel zur Anwendung gelangte." Singers Erfindung des 
sogenannten neuen böhmischen Druckartikels" und die im Jahre 1839 zum 
Vorschein gekommenen „Verwandlungsfarben"w" wären gleichfalls hier 
zu erwähnen, ebenso manche Erfindungen Kurrers, wie die im Jahre 1840 
zuerst in den böhmischen Fabriken zur Anwendung gelangten Walzen- 
überdruckfarben (SoubassementM- Von besonderer Bedeutung war aber 
die Erfindung des regenbogenartigen oder Irisdruckes durch Michael Spörlin. 
Spörlin war zwar ein geborener Elsässer, hatte den Schauplatz seiner 
Tätigkeit im Jahre 18o7j8 aber nach Wien verlegt und hier mit seinem 
Schwager Rahn die berühmte Tapetenfabrik „Spörlin und Rahn" begründet. 
In dieser wurde im Jahre 1822 zuerst der Irisdruck für Papiertapeten ver- 
wendet; später ward das 
neue Verfahren auch auf 
gewebte Stoffe ausgedehnt, 
die man dann „Irisstoffe" 
oder „Fondus" nannteji- 
Das fünfjährige aus- 
schließliche Privilegium, 
das Spörlin und Rahn im 
Jahre 1823 erhielten, bezog 
sich auf die „Erfindung der 
Irisdruckerey auf Stoffe, 
welche im Wesentlichen 
darin besteht; 1) mittels Abb. 60. „Gedrucktes Schafwollkleid", aus Chazels Druckwarenfabrik 
einer mechanischen vor_ in Perchtholdsdorf, 1845, 1 2 der wirklichen Größe (Österreichisches 
richtung, welche an jedem Mumm) 
Drucktische angebracht werden kann, und mit erhaben gestochenen Formen 
durch einen einzigen Abdruck vielfarbige Dessins, sowohl auf Seide, Baum- 
wolle, Schafwolle u. a. Stoffen, als auch auf Papier zu erzeugen; 2) mittels 
einer auf gleichem Princip beruhenden Vorrichtung, welche an bereits 
bestehenden Walzen- und Platten-Druckmaschinen angebracht werden 
 
"' Ebenda, Seite 135. 
i" Ebenda, Seite 66. 
"h" Ebenda, Seite 253. 
1- Ebenda, Seite 254 5. 
H- Michael (Ritter von) Spörlin wurde als Sohn eines Predigers im Jahre 1754 zu Mühlhausen geboren, 
starh im Jahre 1857 zu Wien. In seiner Jugend war er in der Tapetenfabrik seines Schwagers Zuber in Rixheim 
bei Miihlhausen tätig. In Zubers Auftrage unternahm er große Reisen und kam nach Wien zuerst im Jahre 1803, 
dann wieder im Jahre 1807 8. Die Einrichtung der Tapetenfabrik fiel hier gerade in die schwierigen Jahre 1809 
und 181i. Im Jahre 1816 führte Spörlin abgeblaßte, sogenannte degradierte Luftgründe für Landschaften aus. e 
Die Erfindung des lrisdruckes scheint in das Jahr 1820 zurückzureichen. Im Jahre 1830 gründete Spörlin eine 
Tapeten- und Buntpapierfabrik in Warschau. Spörlin hatte von Jugend auf große Vorliebe für das Zeichnen, 
konnte sich dieser Kunst aber erst in Wien ernsthaft widmen; er erwarb sich dann auch große Verdienste urn die 
Hebung des Musterzeichnens in Österreich. Auch war er hauptsächlich an den Vorbereitungen der Wiener 
Ausstellung vom Jahre 1835 beteiligt, ebenso an denen der beiden folgenden. Ebenso gehörte er dem Komitee 
der ersten Weltausstellung in London (185r) an. Er war iemer einer der Hauptgriinder des Niederösterreichischen 
Gewerbevereins (r 839'411).
	        

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