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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

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den unruhigen Gewändern, in der Behandlung der Arme, der Hände (man 
betrachte den gestreckten Zeigefinger der rechten Hand), der Halspartie und 
schließlich der Haare, die, als faserige Masse behandelt, wie auf dem 
Kopfe angeklebt erscheinen. Der Vergleich könnte auch an der schon 
fortgeschritteneren Statue Tattis in S. Maria di Monserrato zu Rom 
(ebenfalls ein heiliger Jakobus) fortgeführt werden. Oder an dem Relief mit 
der Glorie Christi im Museum des Bargello zu Florenz, das aber schon 
zu dem malerischen Sansovino der Tabernakeltür von S. Marco und des 
sitzenden Johannes am Taufbrunnen der Frari-Kirche in Venedig hinüber- 
leitet. Mit diesen Werken entfernen wir uns aber allmählich von dem 
heiligen Jakobus in S. M. del Fiore, der bereits 1511 entstanden ist, 
und betreten die zweite, wichtigere Schaffensperiode des Meisters, die 
venezianische, die aber für unseren speziellen Fall nicht in Betracht 
kommt. 
Erst ungefähr fünfundvierzig Jahre nach dem Entstehen der Statue 
des heiligen Jakobus kam Giambologna nach Florenz. Zwischen der 
Tätigkeit Sansovinos und dem Erscheinen dieses nordischen Künstlers 
muß jedenfalls eine Entwicklung _ am naheliegendsten eine Fortentwicklung 
der von Sansovino repräsentierten 
Richtung - angenommen werden. Und 
wenn wir auch nicht unsere Statuette als 
ein Werk aus Sansovinos florentinischer 
Schaffensperiode ansehen wollen, so 
müssen wir sie als Bindeglied zwischen 
ihm und Giambologna betrachten und 
nicht außer acht lassen, daß Glam- 
bolognas Kunst in Italien auf gegebenen 
florentinischen Prämissen ruht, daß 
er als Fortsetzer der Kunst und des 
Kunstkreises Sansovinos in Florenz 
betrachtet werden muß. Die stilistischen 
Merkmale unserer Statuette, somit 
auch des engverwandten Berliner 
Christus, stehen aber dem heiligen 
Jakobus von Sansovino in S. M. del 
Fiore näher als dem Christus Giam- 
bolognas im Museo nazionale. 
Sansovino in Venedig, Giambologna 
in Florenz sind die Begründer neuer 
Richtungen in der Skulptur und in 
der Plastik und es ist auch weiterhin 
höchst auffällig, daß ihre und ihrer 
Werkstatt Produkte in vielen Fällen 
derartige stilistische Übereinstimmungen Abb. 19. Prophet, Schule des Giambologna (a) 
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