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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

Herkules mit der Keule, den wir noch später in zwei Versionen unter den 
Arbeiten der mit dem Gattungsnamen Roccatagliata bezeichneten Gruppe 
anführen werden. Molinier führte sie kurz als „venezianische Arbeit des 
XVI. Jahrhunderts" an. Hätte er aber unser vortreflliches Stück und nicht 
eine spätere, etwas derbe, unserem Herkules wahrscheinlich gleichwertige 
Wiederholung vor Augen gehabt, so hätte er sie sicher entweder mit einem 
Künstlernamen verbunden oder sie wenigstens genauer 
datiert. Ich glaube, dieses Stück unbedingt früher als den 
Herkules oder einen anderen Bacchus mit dem Weinfasse, 
den wir auch noch besprechen werden, ansetzen zu dürfen. 
Es handelt sich wohl um ein Werk, das am Anfang der 
zweiten Cinquecentohälfte entstanden ist und etwas von Boren- 
tinischer Grazie noch beibehält. Der dehnbare Begriff „Rocca- 
tagliata-Werkstatt" ist erst eine weitere Folge von derartigen 
Produkten. Dazwischen steht aber noch Alessandro Vittoria. 
Der Kunst Vittorias sehr nahe verwandt ist eine Juno- 
Statuette der besprochenen Sammlung (Abb. m)" Die 
Göttin, in bewegter Kontrapoststellung dargestellt, in ein 
dünnes, breitfaltiges Tuch gehüllt, ist durch den ihr zur 
Seite stehenden Pfau charakterisiert. Eine mindere Version 
dieses Stückes befand sich in der ehemaligen Sammlung 
von Rhö in Wien """; als Bekrönung eines Feuerhundes 
kommt es im Grazer Kunstgewerbemuseum vor, "i" auch 
hier werkstattmäßig behandelt. Gewöhnlich hat es ein 
Gegenstück in einem blitzhaltenden Zeus (Sammlung von 
Rhb, Hofmuseum und Estensische Sammlungen, Wien) 
oder in einem Neptun, der auf einem Delphin steht. 
Daß unserer Statuette ein Entwurf Vittorias zugrunde 
liegt, erhellt aus dem Vergleiche mit gesicherten Werken 
dieses Künstlers, etwa dem Propheten Daniel (Abb. n) 
auf einem Seitenaltar von S. Giuliano in Venedig (Marmor; 
auf dem Sockel A. V. F. signiert) oder dem Evangelisten 
Johannes (Abb. 12) aus der verbrannten Rosario-Kapelle Forum, Richtung des 
in S. S. Giovanni e Paolo (Bronze; auf dem Sockel Giambologna 
ALEXANDER VICTORIA signiert).1- Die Behandlung 
des Stofflichen, die großzügig geworfenen, auf dem Körper flächenhaft 
anliegenden Falten kehren an unserer Statuette wie auch an der Daniel- 
Figur wieder. Auch die innere Drehung, die in einem starken Kontrapost zum 
Ausdrucke gelangt, die Neigung des Hauptes, die zur Brust erhobene Rechte, 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Abb. u. 
"K Bronzestatuette, Höhe 335 Zentimeter; dünner brauner Lack. 
"f Braun, a. a. 0., Tafel XXV b. 
"t E. W. Braun, Die Ausstellung von Kleinbronzen im Kaiser Franz Joseph-Museum zu Troppau, Kunst 
und Kunsthandwerk, X, 1907, Seite 53x. 
fDiese zwei Aufnahmen wurden mir von Herrn Dr. Hans Tietze freundlichst zur Verfügung 
gestellt.
	        

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