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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

das vorgestellte linke Bein haben beide Stücke gemeinsam. Betrachtet man 
den Johannes der Rosario-Kapelle, namentlich die Kopf- und I-Iaarbehand- 
lung, so wird man auch an ihm nicht unwesentliche Übereinstimmungen mit 
unserer Juno erblicken, die uns berechtigen, sie als eine dem Meister sehr 
nahestehende Version eines Entwurfes von seiner Hand zu betrachten. 
Wenn von Alessandro Vittoria die Rede ist, so pHegt man gewöhnlich 
seine naturalistischen Porträtbüsten heranzuziehen, um sie als eine dem 
Stein angepaßte Kunst Tizians und Tintorettos zu charakterisieren. Dabei 
vergißt man eine Reihe anderer Werke dieses Meisters, die abseits vom 
impressionistischen Naturalismus stehen und einen Stil für sich haben, der 
in mancher Beziehung mit dem Manierismus Giambolognas verwandt ist. 
Abgesehen von möglichen, aber noch nicht erwiesenen Wechselwirkungen 
zwischen diesen zwei Künstlern, scheint mir eine gemeinsame Quelle 
auf ihre Stilbildung direkt und indirekt 
gewirkt zu haben. Die Kunst des 
Francesco Maria Mazzola genannt 
Parmeggianino, dieses I-Iauptvertre- 
ters eines aus dem Kreise Raffaels 
und Correggios gewordenen Manie- 
rismus, spielt im italienischen Cin- 
quecento eine außerordentliche, bis 
jetzt noch nicht recht gewürdigte 
Rolle. Sein Stil löst in Florenz die 
Werkstatttraditionen Sartos auf und 
verpflanzt sich von dort nach Frank- 
reich, wo, um nur eines Künstlers zu 
gedenken, Goujon seinen graziösen 
Manierismus fortsetzt. In Venedig 
aber Endet Parmeggianino in Andrea 
Meldolla, genannt Schiavone, einen 
eifrigen Interpreten, der seine Kom- 
positionen aufnimmt und mit Griffel 
und Pinsel sie wiederholt, variiert, 
dem eigenen, venezianisch-male- 
rischen Ausdrucksvermögen anpaßt." 
Und schließlich scheint auch Vittoria 
- abgesehen von stilistisch nach- 
weisbaren Übereinstimmungen - ein 
engeres Interesse für Parmeggianino 
gehegt zu haben: nicht umsonst 
erwarb er, 1560, das bereits damals 
' Vgl. Lili Fröhlich-Bum, Andrea Meldolla, 
genannt Schiavone, im jahrbuch der kunsthistorischen 
Abb. 23. David, französisch, Ende des XVI. Jahr- Sammlungen des Allerhöcbsten Kaiserhauses, Wien, 
hunderts 19:3, Band XXXI.
	        

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